Astrid-Lindgren-Schule - Das Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentrum soll in den nächsten Jahren bei der Lehrerzuweisung massiv beschnitten werden Eltern bangen um die Zukunft der Schule

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Melanie Müller
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Ina Zimmerlich, Vorsitzende des Elternbeirats (hinten, Mitte), und ihr Stellvertreter Jörg Märker (links) kämpfen dafür, dass der Organisationserlass für die "SSBZ Lernen" noch einmal überarbeitet wird, denn: Langfristig würde die Reduzierung der Lehrerstunden das Aus für die Astrid-Lindgren-Schule bedeuten.

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Für "völlige Verunsicherung" bei den Eltern hat die Nachricht gesorgt, dass die Astrid-Lindgren-Schule in den nächsten Jahren in Bezug auf die Lehrerzuweisung massiv beschnitten werden soll.

Astrid-Lindgren-Schule

Die Astrid-Lindgren-Schule in Bofsheim ist ein Bildungs- und Beratungszentrum mit dem Förderschwerpunkt Lernen für Schüler mit einem Anspruch auf ein sonderpädagogisches Bildungsangebot.

Seit 2013 hat sich die Schule im Rahmen der inklusiven Bildung für Grundschüler geöffnet.

Zurzeit besuchen insgesamt 93 Mädchen und Jungen die Bildungseinrichtung in Bofsheim, zwei Drittel davon sind Förderschüler.

Zum Team, das die Schüler aktuell betreut, gehören 13 Lehrkräfte, davon sieben in Teilzeit. mem

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Bofsheim. Dass das gesamte Schulprofil auf dem Prüfstand steht, darüber hat Gabi Hörtdörfer, die Rektorin des Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrums (SBBZ) mit Schwerpunkt Lernen in Bofsheim, die Eltern ihrer Schützlinge bei der Elternbeiratssitzung im Oktober informiert.

Organisationserlass

Der Organisationserlass des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport stellt den Sonderschulen Lehrkräfte in Relation zur Bevölkerungszahl zur Verfügung. Die eigentlichen Schülerzahlen spielen dabei keine Rolle.

Das Staatliche Schulamt Mannheim ist aufgefordert, den Organisationserlass nun umzusetzen. Das heißt für das "SBBZ" in Bofsheim mit Blick auf die kommenden Jahre eine Reduzierung der Klassen - von sieben auf maximal vier.

"Der Berechnungssatz, der zugrunde gelegt wird, bildet nach Angaben von Fachleuten speziell im ländlichen Raum bei weitem nicht die Realität, also den tatsächlichen Bedarf an Lehrerstunden, ab", so die Rektorin der Astrid-Lindgren-Schule, Gabi Hörtdörfer. mem

Vorausgegangen sei die Aufforderung des Kultusministeriums an das Staatliche Schulamt Mannheim, den Organisationserlass (siehe Info-Box) umzusetzen. Dieser stellt den Sonderschulen Lehrkräfte in Relation zur Bevölkerungszahl zur Verfügung. Was wiederum Folgendes mit sich bringt: Sämtliche "SBBZ Lernen" erhalten so lange keine weiteren Lehrer, bis das "Soll" und das "Ist" annähernd stimmen.

Das bedeutet für die Astrid-Lindgren-Schule mit Blick auf die kommenden Jahre eine Reduzierung der Klassen - von sieben auf maximal vier. "Das Ergebnis wird sein, dass das über viele Jahre bestehende und hoch anerkannte Schulprofil sowie die besonders gut funktionierende umgekehrte Inklusion auf Dauer nicht mehr durchzuführen sein wird", so Hörtdörfer auf Nachfrage.

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Es gebe keine verlässliche Versorgung mit Lehrerstunden mehr. "Jedes Schuljahr müssen wir bangen, ob wir die Grundschullehrkräfte wieder erhalten beziehungsweise ausreichend Sonderschullehrkräfte zur verlässlichen Versorgung unserer Klassen haben", so die Schulleiterin, die hinzufügte: "Gerade in diesem Schuljahr haben wir 44 Lehrerstunden weniger als im Vorjahr bei gleichbleibender Schülerzahl."

Langfristig werde die Reduzierung der Lehrerstunden das Aus für die Astrid-Lindgren-Schule bedeuten - "und das, nachdem die Schule unter die 'Top 50' der besten Schulen Deutschlands gekommen ist", schilderten Ina Zimmerlich, Vorsitzende des Elternbeirats, und ihr Stellvertreter Jörg Märker gestern im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten ihre Ängste und fügten hinzu: "Gerade für die Region Osterburken bedeutet diese radikale Reduktion eine deutliche Verschlechterung der schulischen Angebote und schränkt das Elternwahlrecht ein."

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Sowohl Zimmerlich als auch Märker sehen in der geforderten Umsetzung des Organisationserlasses eine große Benachteiligung - speziell der Schüler, die im Bereich "Lernen" Probleme haben, denn: "In jedem anderen Bereich wird nach der Schülerzahl versorgt", nur im Bereich "Lernen" geschehe dies nach einer Bevölkerungskomponente, was natürlich im strukturarmen ländlichen Raum besonders zu Buche schlage. Gerade deshalb wollten die Eltern Peter Hauk, Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, das Modell der Schule vorstellen - und hatten ihn für den gestrigen Montag zu einem Gespräch in die Astrid-Lindgren-Schule eingeladen. "Dabei wollten wir ihn darum bitten, sich für unsere Kinder einzusetzen und eventuell erreichen, dass die Kultusministerin auf uns aufmerksam wird." Leider musste der Minister aber kurzfristig krankheitsbedingt absagen.

"Leuchtturm in Schullandschaft"

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Trotzdem nutzten Ina Zimmerlich und Jörg Märker die Gelegenheit, im Gespräch mit unserer Zeitung ihr Anliegen zu formulieren und eine Lanze für die Schule zu brechen. Sie wollen dafür kämpfen, dass der Organisationserlass im Bereich "SBBZ mit Förderschwerpunkt Lernen" noch einmal überarbeitet wird. "Kinder, die Förderbedarf haben, brauchen sehr viel mehr Aufmerksamkeit", so Jochen Märker, der weiß, wie "arbeitsintensiv" Inklusion sein kann. Deshalb will er sich weiterhin dafür einsetzen, dass die "SBBZ mit Förderschwerpunkt Lernen" speziell im ländlichen Raum gestärkt und nicht massiv abgebaut wird. "Unser Modell der umgekehrten Inklusion soll auf eine solide Grundlage gestellt werden - möglicherweise als Modellschule und als Leuchtturm in der Schullandschaft", so Ina Zimmerlich, die unterstrich: "Meine Tochter hat auf keiner anderen Schule die Chance, als normaler Mensch aufzuwachsen und so, wie sie ist, angenommen zu werden."

Und Jörg Märkers Tochter? "Sie hat eine unheimliche Sozialkompetenz entwickelt, ist unbefangen, hat keine Vorurteile und geht - auch außerhalb der Schule - offen auf benachteiligte Menschen zu, seit sie die Astrid-Lindgren-Schule besucht."

"Seit Jahren betreiben wir kontinuierlich zielgerichtete Schulentwicklung. Bei der ersten Fremdevaluation 2010 wurde uns eine gute bis ausgezeichnete Praxis bescheinigt. Im März werden wir ein weiteres Mal evaluiert", so Gabi Hörtdörfer, die hinzufügte: "Wir sehen speziell im ländlichen Raum eine große Notwendigkeit, auch 'SBBZ mit Förderschwerpunkt Lernen' weiter zu entwickeln, da es ansonsten keine Alternativen zu den allgemeinen Schulen gibt. So haben wir beispielsweise vor vielen Jahren eine Klasse eingerichtet, die präventiv Kinder fördert, die zwar schulpflichtig sind, aber noch nicht schulreif.

Eine Grundschulförderklasse gebe es nur in Mosbach mit begrenzten Plätzen. "Gerade für Kinder, die aus verschiedensten Gründen Schulängste oder Schulverweigerung aufzeigen, haben wir uns ebenfalls spezialisiert. Auch unser Angebot der umgekehrten Inklusion wird von Anfang an von den Eltern des Ortes Bofsheim, aber auch von Eltern außerhalb unseres Schulbezirkes mit großem Interesse angenommen. Man kann von einem erfolgreichen Schulmodell sprechen."

Gerade deshalb sei es schade, im Unklaren darüber gelassen zu werden, "ob die Ressourcen auch in Zukunft zur Verfügung stehen". Was im Übrigen nicht nur für "völlige Verunsicherung" bei den Eltern führe, deren Kinder die Schule zurzeit schon besuchen. "In der Luft" hängen auch all jene, die ihre Schützlinge gerne für das kommende Schuljahr anmelden möchten. Solange Rektorin Gabi Hörtdörfer nicht weiß, wie viele Lehrer ihr dann zur Verfügung stehen, kann sie nämlich auch keine Aufnahmeanträge weiterer Schüler positiv bescheinigen.