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Kinderbetreuung in Adelsheim

Im Waldkindergarten gibt es dieses Jahr keine Pädagogik unter freiem Himmel

Ohne Personal kann das Projekt in diesem Jahr wohl nicht mehr verwirklicht werden

Von 
Daniela Käflein
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Weil das Personal fehlt, kann der Waldkindergarten in Adelsheim nicht öffnen. Und das, obwohl die Plätze für KIndergartenkinder an allen Ecken und Enden fehlen – nicht nur in Adelsheim. © Daniela Käflein

Adelsheim. Der Bauwagen steht schon vor Ort und wartet auf die Kinder. Aber in diesem Jahr werden sie wohl nicht mehr kommen. „Die Leiterin des Kindergartens ist abgesprungen und neues Personal nicht so leicht zu finden“, verdeutlicht Bürgermeister Wolfram Bernhardt im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten. Die Enttäuschung bei den Eltern in Adelsheim ist sehr groß.

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Kein Kinderlachen, nur Stille

Die Wiese auf der Lichtung des Waldkindergartens ist wie leer gefegt. Kein wildes Herumtoben, kein lautes Kinderlachen, alles ist still. Nur die Vögel zwitschern. Grund dafür ist ist die Tatsache, dass der Waldkindergarten in diesem Jahr nicht mehr starten kann.

„Zwar haben wir eine Erzieherin rekrutiert. Aber sie kann keine Leitungsfunktion übernehmen“, erläutert Pfarrer Dr. Markus Roser von der evangelischen Kirche in Sennfeld. Für die Eröffnung des Waldkindergartens seien aber drei Erzieherinnen notwendig. „Die Leiterin des künftigen Waldkindergartens braucht neben der Leitungsqualifikation auch eine zusätzliche waldpädagogische Ausbildung“, so der Seelsorger.

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Daniela Käflein
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Nach den Worten des Bürgermeisters habe die vorgesehene künftige Leiterin des Kindergartens auch Bedenken wegen der Rinder auf der benachbarten Weide gehabt. Dabei handelt es sich um etwa 15 bis 20 Tiere, die sich auf einer abgezäunten, benachbarten Weide tummeln. „Es gab einfach Themen, die aus ihrer Sicht nicht hinreichend besprochen waren. Darum wollten wir uns aber erst kümmern, wenn alles Grundsätzliche geklärt ist“, so das Stadtoberhaupt weiter.

Geklärt ist jetzt alles. „Und ich finde, wir haben für alle Probleme gute Lösungen gefunden“, hebt der Rathauschef hervor. Aber es gibt eben kein Personal. Festgesetzt habe man bereits, dass Eltern, die ihre Kinder abholen, keine Hunde mitbringen dürfen, um auszuschließen, dass die Vierbeiner auf die Weide rennen. „Auch die Unfallkasse hat bei ihrer Gefährdungsbeurteilung ihr Okay dazu gegeben“, verdeutlicht Wolfram Bernhardt.

Pfarrer Markus Roser hebt hervor: „Der Arbeitsmarkt ist leer gefegt.“ Und ergänzt, dass zu wenig ausgebildet wird, man das Problem staatlicherseits aber bereits erkannt habe. Während die Erzieher-Ausbildung früher Geld kostete, werde bei der neuen PiA-Ausbildung (Praxisintegrierte Ausbildung) Geld vom Staat bezahlt. Seit 2012 gibt es die Praxisintegrierte Ausbildung, eine Alternative zur staatlich anerkannten Erzieher-Ausbildung. Das neue Modell in Form einer dreijährigen praxisintegrierten Ausbildung zum Erzieher sei in Baden-Württemberg gewissermaßen aus der Not heraus entwickelt worden, denn durch den Ausbau der Betreuungsplätze für Kinder in den ersten drei Lebensjahren fehlte seit Jahren das pädagogische Fachpersonal in den Kitas. Das sollte mit PiA anders werden.

„Trotzdem ist natürlich klar, dass der Bedarf an Erziehern sich verdoppelt hat“, räumt Markus Roser ein. Schließlich gebe es inzwischen ein Recht auf einen Kindergartenplatz und die Kleinen würden bereits ab null Jahren aufgenommen.

Gesellschaftlicher Trend

In Adelsheim gebe es zwar erst ab einem Jahr die Möglichkeit, aber der gesellschaftliche Trend zeige, dass immer mehr Kleinkinder in die Kitas kommen. „Und da klafft dann eine große Lücke bei den Erzieherinnen“, so Dr. Roser. Das sei ein generelles gesellschaftliches Problem. Und keines, das Adelsheim allein betreffe.

Was ihm zu denken gibt: Während in anderen Ländern wie beispielsweise Finnland Erzieher inzwischen einen Master-Abschluss ablegen müssen, gehe es in Deutschland eher in die Richtung, dass die Qualität der Ausbildung leide. „Das ist keine gute Entwicklung“, ist er sich sicher.

Eigentlich wollte der Waldkindergarten in Adelsheim am 20. Juni eröffnen. Und das wäre auch absolut notwendig, denn die Adelsheimer Kindergärten arbeiten nach den Worten des Bürgermeisters an ihrer „maximalen Belastungsgrenze“ und mussten schon eine Gruppe schließen, weil das Personal fehlt. „Wir müssen händeringend Plätze schaffen“, so das Stadtoberhaupt weiter. Doch ohne Personal gehe natürlich nichts.

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