Verhandlung am Amtsgericht - Rinderhalter aus dem Bauland und seine Lebensgefährtin stehen unter Verdacht / Zeugenaussage eines Veterinärmediziners „Dem Tier langes Leiden verursacht“

Von 
Daniela Käflein
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Um einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz ging es gestern beim Amtsgericht in Adelsheim. Dabei mussten sich Rinderhalter aus dem Bauland verantworten. Hauptverhandlung ist am Mittwoch, 22. Januar, um 13.15 Uhr im Amtsgericht. © Daniela Käflein

Adelsheim. Nach Angaben des Richters Klaus Schrader hatte der Angeklagte schon öfter Ärger mit dem Veterinäramt, weil er seine Tiere nicht ordnungsgemäß versorgt habe. Er sei deshalb auch einschlägig vorbestraft.

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Wie in der Verhandlung deutlich wurde, hatte der Angeklagte gehandelt, und die Verantwortung für die Tiere zunächst an einen Stiefsohn und später an seine Lebensgefährtin abgegeben. Wie der später als Zeuge vernommene Amtstierarzt Dr. Richel allerdings aussagte, habe der Betreuer vor Ort erklärt, dass die Entscheidung über die Tiere letzten Endes nach wie vor beim Angeklagten liege.

Staatsanwältin Julia Messler verdeutlichte in ihrer Anklageschrift, dass das Rind an einer embolisch-metastatischen Pneumonie und einem Abszess erkrankt gewesen sei.

„Wie der Angeklagte wusste, war ihm die Betreuung und das Halten von Rindern verboten, da er in dieser Hinsicht bereits einschlägig vorbestraft ist“, so die Staatsanwältin in der Anklageschrift.

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Es werde dem Angeklagten vorgeworfen, dem Tier länger anhaltende Leiden verursacht zu haben.

Seiner Lebensgefährtin legte die Staatsanwältin zur Last, dass sie als verantwortliche Halterin keine Heilbehandlung veranlasst und dem Tier damit viele Schmerzen zugemutet habe.

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Der Verteidiger der Angeklagten, Tobias Göbel, wandte ein, dass seine Mandantin die Rinder erst am 15. Dezember 2018 vom Stiefsohn des Angeklagten übernommen habe. Sie sei mit Tieren vertraut. „Wenn sie gesehen hätte, dass das Tier krank ist, hätte sie es nicht leiden lassen“, so seine Überzeugung.

Ausbildung in Heilbronn

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Auf Nachfrage von Richter Schrader gab die Angeklagte an, zum fraglichen Zeitpunkt eine Ausbildung in Heilbronn absolviert zu haben. Während dieser Zeit habe ein Betriebshelfer, der zwar als Zeuge geladen, aber nicht erschienen war, die Betreuung der Tiere übernommen.

Obwohl sie abends noch eine Runde durch den Stall gegangen sei, sei ihr das kranke Tier nicht aufgefallen, erklärte sie weiter. Alle Tiere seien „ruhig und zufrieden“ gewesen.

„Mein Mandant war erschrocken, als er mit diesem Sachverhalt konfrontiert wurde“, erklärte der Verteidiger des Angeklagten, Dr. Andreas Hatz. Schließlich habe er auch den Tierarzt verständigt. Was der Betriebshelfer vor dieser Beschäftigung in Sennfeld beruflich gemacht hatte, konnte der Angeklagte dem Richter nicht beantworten. Zunächst habe er Hausmeistertätigkeiten übernommen und sich später bei ihm um die Landwirtschaft gekümmert.

Als Sachverständiger wurde Amtstierarzt Dr. Nicolai Richel gehört. Er war zur Kontrolle der Rinder am 28. Juni 2018 vor Ort. „Das Rind lag auf Stroh und konnte nicht einmal den Kopf heben“, verdeutlichte der Veterinär. Dem Betriebshelfer war das bereits aufgefallen. Er habe daraufhin versucht, die Angeklagte zu erreichen, was nicht gelang. Schließlich sei man zum Angeklagten gefahren. Er habe gesagt, er sei informiert, sei aber „noch nicht dazu gekommen, den Tierarzt zu verständigen“.

„Letzten Endes blieb nur noch die Notschlachtung“, so der Sachverständige. Die anschließende Obduktion in der Tierkörperbeseitigungsanstalt habe ergeben, dass die Lungen des Tieres vereitert waren. „Und auch hinter dem Abszess an der Flanke befand sich ein Hohlraum, der mit einem Liter Eiter gefüllt war“, verdeutlichte der Sachverständige.

Es sei nicht klar, was zuerst da war. Allerdings habe das stark mit Kot verschmutzte Tier eher einen vernachlässigten Eindruck gemacht und vermutlich stark gelitten.

Schon früher ein Verbot

Auf Nachfrage von Richter Schrader erklärte der Veterinärmediziner, dass es bereits im alten Stall des Angeklagten 2007 schon ein Rinderhaltungsverbot gegeben habe, weil er die Tiere schlecht versorgt habe.

Rechtsanwalt Göbel wollte von dem Sachverständigen wissen, ob man sich bei Nutztieren ständig im Stall aufhalten müsse, was dieser verneinte. „Bei einem Bestand von 140 Tieren kann es schon mal passieren, dass da eins krank ist und man es nicht gleich sieht“, meinte er.

„Bei Nutztieren ist man schließlich nicht verpflichtet, jedes einzelne Tier anzuschauen“, folgerte Rechtsanwalt Tobias Göbel. „Und mein Mandant hatte keine Verantwortung“, ergänzte der Verteidiger des Angeklagten, Dr. Andreas Hatz.

„In der Tat ist es etwas seltsam“, räumte Richter Schrader ein. „Da erteilen wir einem Bürger Rinderhaltungs- und Rinderbetreuungsverbot und werfen ihm gleichzeitig vor, er habe die Rinder nicht betreut.“

Das sah Staatsanwältin Julia Messler ganz anders, so dass sich das Gericht zur Beratung zurückzog. Anschließend verkündete sie, dass die tatsächliche Verantwortung des Angeklagten in diesem Fall noch zu klären sei und auch das Verschulden, was die Organisation der Angeklagten angehe, noch nicht abschließend geklärt sei. Sie beantragte einen Fortsetzungstermin.

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Veröffentlicht
Von
Ralf Scherer
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