In Adelsheim - Ökumene als gelebte Selbstverständlichkeit / Pfarrer Kurt Wolf in Ruhestand verabschiedet / Werner Zuber gedacht Als Seelsorger freiwillig 30 Jahre hinter Gittern

Von 
bd
Lesedauer: 

Gemeinsam hatten Kurt Wolf, katholischer Pfarrer, und Werner Zuber, evangelischer Seelsorger der JVA Adelsheim, zu ihrer Verabschiedung aus dem Berufsleben eingeladen.

Gefängnis-Seelsorger Kurt Wolf (links) wurde in den Ruhestand verabschiedet. Anstaltsleiterin Katja Fritsche bescheinigte ihm, dass er in über dreißig Jahren zu einer Säule des Jugendvollzugs in Adelsheim geworden sei. © Klaus Brauch-Dylla
AdUnit urban-intext1

Adelsheim. Nun stand die Abschiedsfeier noch unter dem Eindruck des plötzlichen Todes Werner Zubers am 24. September.

Kurt Wolf in seiner Andacht zu Beginn der Feier und Anstaltsleiterin Katja Fritsche gedachten des Verstorbenen, dessen Wirken und dessen Humor nach wie vor spürbar seien und der mit Wolf gemeinsam über ein Viertel Jahrhundert ein „Parade-Duo für Ökumene und seelsorgerische Kooperation“ gebildet habe.

Inspiration spürbar

Die Feier zu begehen sei gewiss in Zubers Sinn und so begrüßte Fritsche als Hausherrin besonders Ministerialrat Ronny Stengel aus dem Justizministerium, Vollzugs-Dekan Peter Holzer, Anstaltsleiter a.D. Dr. Joachim Walter, sowie die Anstaltsbeiräte im prall gefüllten Gottesdienstraum mit aktuellen und ehemaligen Weggefährten der Geistlichen, die sich stets als Seelsorger für alle Gefangene und Mitarbeiter begriffen hätten.

AdUnit urban-intext2

Bei der pastoralen Eröffnung der Feier hatte Wolf nochmals seine Inspiration spüren lassen und mit dem Eingangslied „Eingeladen zum Fest des Glaubens“ unterstrichen.

Dass die Seelsorge für Menschen im Gefängnis vielfältige Komponenten brauche, betonte er in seiner Ansprache, Leib und Seele gehörten zusammen, mit individueller Zuwendung ganz verschiedener Art sei es auch möglich, Zugang zu den Menschen zu bekommen, die nicht aktiv nach einem Pfarrer fragten.

Wirken gewürdigt

AdUnit urban-intext3

Im Anschluss an die Andacht würdigte Anstaltsleiterin Fritsche Wolfs Wirken und ließ seine Vita Revue passieren. Nach Abitur in Tauberbischofsheim und Studium der Theologie in Freiburg und Regensburg war er im Dezember 1980 in Singen zum Diakon geweiht worden, wo er auch das Diakonatsjahr absolvierte. Die Priesterweihe erfolgte am 20. Mai 1982 in Mannheim.

AdUnit urban-intext4

Als Kaplan war Wolf Teilnehmer eines internationalen Priesterkurses in Florenz. Als Pfarradministrator und Pfarrer in Neckargerach kam er in den Odenwald zurück, bevor er 1990 als Seelsorger in die JVA Mannheim wechselte, wo er ein Jahr wirkte und nebenher Klinikseelsorger war.

Im Juli 1991 trat er dann seine Stelle im Jugendgefängnis an. „Fortan blieben Sie jung im Geiste und gefesselt von der JVA Adelsheim! Sie wirkten immer unaufdringlich, leise und ohne sich in den Vordergrund zu stellen. Und dennoch waren Sie kein wortloser oder schweigsamer Mitarbeiter. Sie hatten immer etwas zu sagen und bezogen auch Position. Sie setzten sich unentwegt für die Belange Ihrer Mitmenschen ein, vor allem für die Schwachen und die ohne Lobby, nämlich die Gefangenen.“

Sei es, wenn es um einfache technische Hilfsmittel wie Wasserkocher oder gewisse Lebensmittel ging, sei es, indem er mit ihnen Ausgänge oder sogar Ausführungen machte. Besonders in Erinnerung rief Fritsche Wolfs Einsatz für einen Krebskranken, den er regelmäßig zur Chemo begleitet und im Krankenhaus besucht habe und für den er so zu einer wichtigen Bezugsperson wurde. „Sie waren in vielfältigen Krisensituationen da, sei es bei Todesfällen von Gefangenen, Bediensteten oder bei besonderen Vorkommnissen.“ Er habe Taufen durchgeführt, ebenso einige Trauungen vollzogen und auch so manche Beerdigung von Kollegen übernommen.

Wolf habe auch ohne zu zögern entschieden, nicht nur seinen Nachfolger Martin Reiland einzuarbeiten, sondern auch den neuen evangelischen Seelsorger Michael Schumacher, um den sich Werner Zuber nicht mehr sorgen konnte. Auch die muslimische Seelsorge habe er ohne Vorbehalte wie selbstverständlich begleitet und in praktischen Angelegenheiten unterstützt.

„Für die Jugendanstalt da“

„Das zeigt nicht nur, dass Sie die Ökumene praktizieren und leben, sondern auch, dass Sie selbst nach fast drei Jahrzehnten als Seelsorger mit all Ihrer Kraft und Ihrem Engagement für diese Jugendanstalt und die Bediensteten da sind.“ Das seien kostbare Eigenschaften und damit sei Wolf nicht nur ein sehr geschätzter Mitarbeiter, sondern auch „zu einer Säule des Jugendvollzugs in Adelsheim geworden!“

Zum Dank und Abschied überreichte Fritsche namens der gesamten Belegschaft einen Miniatur-Nachbau des JVA-Altars. Darauf lagen Brot aus der Anstaltsbäckerei und Wein aus der JVA Heilbronn.

Die Ruhestandsurkunde nahm Wolf aus den Händen von Ministerialrat Ronny Stengel entgegen, der auch den Dank und die Grüße des Justizministers überbrachte.

Peter Holzer, katholischer Dekan für den baden-württembergischen Justizvollzug, dankte Wolf seinen unermüdlichen Einsatz und seine Glaubensüberzeugungen, denen er auch via „Konradsblatt“ immer wieder Gehör in der Erzdiözese verschaffe.

Mit Liedern der „Knastigallen“, deren jahrelanger musikalischer Leiter Werner Zuber gewesen war, ging die Feier in den geselligen Teil über.

Zugewandtheit und Klarheit

Nachdem Wolf im laufenden Monat die neuen Seelsorger noch „ehrenamtlich“ begleitet, sandte er nun via Email einen nachdrücklichen Abschiedsgruß an die Mitarbeitenden: „Ich wünsche Ihnen Interesse und Gespür für die inhaftierten Jugendlichen. Zugewandtheit, Klarheit, Standfestigkeit, Souveränität im Umgang mit ihnen – auch da, wo es Grenzen zu setzen gilt.“ bd