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Leserbrief: Zur Diskussion über die mögliche Zusammenlegung der Grundschulen Königheim und Gissigheim "Zwei Schulstandorte sind auf Dauer sicherlich nicht haltbar"

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Aus Anlass des dramatischen Geburtenrückganges wurden durch Bund und Land Gesetze erlassen, die das Bildungsangebot verbessern und den Eltern die Möglichkeit bietet, neben dem Kinderwunsch auch weitestgehend berufstätig zu bleiben. Zu den wichtigsten Veränderungen gehören: Die Einrichtung einer Ganztagesbetreuung in Schulen und Kindergärten, dort auch mit Kinderkippenfunktion. Alles Pflichtaufgaben der Kommunen.

Eltern können Kindergarten und Schule frei wählen. Dann müssen die Kommunen der Kinder für den Besuch der auswärtigen Einrichtungen Kostenersatz leisten. Das heißt, dass für jedes Kind, das aus welchen Gründen auch immer eine andere Einrichtung außerhalb der emeinde Königheim in Anspruch nimmt, nicht nur Geld verloren geht, sondern auch die eigenen Einrichtungen durch geringere Auslastung immer teurer werden. Hier droht für den, der nicht rechtzeitig agiert, der "bildungspolitische Kahlschlag". Es wird dann in der gesamten Gemeinde weder Kindergarten noch Schulen mehr geben.

Eine Verzahnung von der Bildungs- und Erziehungsaktivitäten von Kindergarten und Grundschule ist gefordert, um unter anderem den Übergang für die Kinder zu erleichtern.

Diese hier nur grob skizzierten Rahmenbedingungen sind allein Entscheidungsgrundlage. Das bedeutet für den Bildungsstandort Königheim, wenn dieser als solcher erhalten bleiben soll, dass nur durch ein Zusammenrücken und ein Bündeln der Kräfte ein dauerhaftes Überleben möglich ist. Bei 25 bis 16 Kindern eines Jahrganges sind zwei Schulstandorte aus keinem rationalen Gesichtspunkt heraus haltbar.

Weder die Gemeindeverwaltung noch der Gemeinderat hat jemals die Absicht gehabt, ohne die Not der oben angeführten Fakten eine Einrichtung zu schließen, wie dieses von vielen Seiten vorgeworfen wurde. Es ist ausschließlich der Zwang, sich den Gegebenheiten der Zukunft zu stellen und eine Entscheidung für die nächsten 15 bis 20 Jahre zu treffen.

Es war auch vorhersehbar, dass es sich um eine unpopuläre und viele Emotionen weckende Entscheidung handeln würde. Das ohnehin schon brisante Thema wurde wohl durch Bürger gezielt gesteuert. Offensichtlich wurden die gesetzlichen Vorgaben, die die Gemeinde zum Handeln zwingen, in allen das Thema betreffende Diskussionen vollständig ausgeblendet. Die emotionale Aufbereitung des Problems von Eltern - vornehmlich aus Gissigheim - die, so scheint es, jedes Argument und sei es noch so an den Haaren herbeigezogen, recht ist, um die Grundschule in Gissigheim zu halten.

Derzeit ist der Betrieb der Grundschule in Gissigheim nur durch die Zusammenfassung von Jahrgängen zu so genannten Kombiklassen aufrecht zu erhalten. Diese Klassenform wird von Eltern und Lehrern in so positiven Farben dargestellt, dass man glauben muss, es gäbe nichts Besseres. Dabei sind die angeführten pädagogischen Regeln auch in allen anderen Klassenformen sogar Pflicht.

Die Entscheidung, welche Schulform in Zukunft in Königheim gewählt wird, hängt nicht von geleisteter schulisch vorbildlicher und hervorragender Arbeit ab, sondern davon, was wir uns in jeder Beziehung in der Zukunft leisten können.

In fragwürdigen Umfragen wurde der Bedarf für Ganztagesbetreuung als nicht gegeben ermittelt. Dieses ist bei den heute betroffenen Eltern möglicherweise zutreffend. Die zu treffende Entscheidung muss aber den Jahrgängen danach für einen Zeitraum von 15 bis 20 Jahren, also weit in die Zukunft gerecht werden. Auch wenn heute kein Bedarf besteht, ist die Leistung der Ganztagesbetreuung, durch Träger der Bildungseinrichtungen vorzubereiten und vorzuhalten.

Die Schule in Gissigheim um der dörflichen Idylle Willen halten zu wollen, ist genauso paradox, als wolle man die Dorfschulen in Pülfringen und Brehmen wieder eröffnen. Dieses Szenario wurde ausschließlich von Personen mit akademischer Ausbildung, auch von außerhalb der Schule mit wohl gesetzten Formulierungen gestützt. Auch diese blendeten die Fakten für das Handeln der Gemeinde vollständig aus. Keine Nachfrage, auch kein Versuch Hintergründe zu hinterfragen oder gar zu widerlegen.

Königheim ist eine finanziell schlecht gestellte Gemeinde. Abhängig von Fördertöpfen und deren Zuschüssen kann und darf es keine leeren Schulen und Kindergärten finanzieren.

Der Gemeinderat fasste keinen Beschluss, sondern vertagte das Thema mit der Folge, dass dadurch eine Anmeldefrist zum Konjunkturpaket abläuft und keine Fördermittel daraus für Umbau- und Ergänzungsbauteile unserer Schule beantragt werden können. Dadurch wird die Gemeinde nicht in den Genuss von Fördermitteln aus dem Konjunkturprogramm kommen, um erforderliche Umbau- und Sanierungsarbeiten durchführen zu können. Die nächste Möglichkeit den Antrag auf Umstellung auf den Ganztagesbetrieb besteht im nächsten Jahr. Die Gemeinde nimmt es also auf sich, den ursprünglich maximalen Förderumfang nicht zu erhalten, da die Mittel begrenzt sind. Bis dahin rüsten sich die umliegenden Bildungseinrichtungen weiter auf und wir bleiben das Schlusslicht im Main-Tauber-Kreis. Die Attraktivität der Gemeinde Königheim als Wohnort wird dadurch nicht besser.

Auch die Begründung, dass ein Konzept fehlt, kann so nicht stehen bleiben. Um Durchführungskonzepte erarbeiten zu können, bedarf es einer Grundlage, auf der aufgebaut werden kann.

In der öffentlichen Diskussion waren fundierte Äußerungen eher in der Minderzahl. Es ist auch deprimierend mit zu erleben, wie wenig reflektiert und ohne fundierte Argumente auf die Verwaltung verbal eingeprügelt wurde und in welchen Beifallsstürmen die "Prügler" sich sonnen konnten. So entstand ein emotional aufgeheiztes Klima im Saal, bei dem man sich an einer sachlichen Beratung gehindert sah. Aus dieser Situation heraus wurde aus den Reihen des Rates mit der Vertagung des Tagesordnungspunktes ein Ausweg gesucht. Eine Vertagung des Tagesordnungspunktes hilft aber überhaupt nicht weiter, da neue Erkenntnisse nicht zu erwarten sind. Auch die bevorstehenden Gemeinderatswahl wir die Situation nicht verbessern.

Gerade in einer Zeit, in der es immer schwerer wird, geeignete Kandidaten für die Wahl zum Gemeinderat zu gewinnen, mache auch ich mir Gedanken, ob ich mich wirklich in einem derart emotionalen und wenig sachlichem Klima überhaupt einer Wahl stellen soll. Ob ich mich wählen lassen will und ob ich dann im Falle einer Wahl die Belange solcher Bürger vertreten kann und will.

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