Hier hat der Leser das Wort - Patienten machen sich Sorgen über künftige hausärztliche Versorgung in Bestenheid Zulassungssperre für Allgemeinärzte

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Leserbrief-Schreiber: Dr. med. Jutta Finkenauer (Fachärztin für Allgemeinmedizin, Wertheim)
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Nachdem sich die Anfragen besorgter Patienten im Hinblick auf die zukünftige Versorgung in Bestenheid häufen, sehe ich mich veranlasst, die aktuelle Situation auf diesem Wege aus meiner Sicht darzustellen.

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Bereits unmittelbar nachdem mir im Frühjahr 2014 bekannt wurde, dass die zweite in Bestenheid ansässige Allgemeinarztpraxis zum April 2015 hin ihren Standort in Richtung Kernstadt verlegen wird, habe ich Kontakt zu unserer Kassenärztlichen Vereinigung (KV) in Stuttgart aufgenommen und das zu erwartende Szenario sowohl in umfangreichem Schriftverkehr als auch durch persönliches Vorsprechen in Stuttgart geschildert.

Ich verwies auf die besondere Struktur unseres größten Stadtteils mit seiner Industrie und zahlreichen Pendlern, welche die Infrastruktur Bestenheids nutzen und auch hier zum Arzt gehen.

Ebenso machte ich aufmerksam auf den hohen Anteil älterer Menschen, die nicht mehr über Mobilität verfügen und nicht in der Lage sind, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen.

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Auch die Tatsache, dass im vergangenen Jahr zwei Hausarztpraxen im direkt angrenzenden bayerischen Grenzgebiet geschlossen wurden und eine hausärztlich-internistische Praxis in Wertheim seit Oktober 2014 nicht beziehungsweise unregelmäßig besetzt ist, flossen in die Argumentation ein.

Die Stellungnahme der KV lässt sich auf einen einfachen Nenner bringen: Wertheim ist ein für Allgemeinärzte zulassungsgesperrter Bezirk, da nach Auffassung der KV immer noch zu viele Ärzte für Allgemeinmedizin niedergelassen sind.

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Die Anstellung eines/r weiteren Arztes/Ärztin durch mich wäre prinzipiell möglich und auch die von mir bevorzugte Lösung gewesen, zumal entsprechende Räumlichkeiten zur Verfügung stünden und auf diese Weise die wohnortnahe Versorgung auch der älteren und immobilen Patienten in Bestenheid hätte gewährleistet werden können. Allerdings darf laut KV durch ein solches Anstellungsverhältnis der Umsatz der Praxis nur in minimalstem Umfang Steigerung erfahren!

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Jeder, der auch nur über ein Mindestmaß an betriebswirtschaftlicher Betrachtungsweise verfügt, muss erkennen, dass diese Rechnung für den Praxisinhaber nicht aufgehen kann!

Wir erleben hier aktuell den Auswuchs einer seit Jahren verfehlten Gesundheitspolitik. Einerseits wird über einen Rechtsanspruch auf zeitnahe Facharztterminvergabe diskutiert, andererseits bleibt die wohnortnahe medizinische Basisversorgung im ländlichen Raum auf der Strecke, sehr zum Schaden der betroffenen Patienten!

Trotz des hohen berufsethischen Anspruchs, mit dem ich seit mehr als 26 Jahren meine Tätigkeit als Hausärztin in Bestenheid ausübe, werde ich zu meinem Bedauern nicht in der Lage sein, alle Versorgungslücken schließen zu können.