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Leserbrief - Zu „Gutachten untersucht Tauberbahn-Elektrifizierung“ (FN, 14. März) „Seit Jahren würgt sich das Verkehrsministerium einen ab”

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© Fotolia/mapoli-photo

Alles machbar, Frau Nachbar, lautete früher ein beliebter Spruch an Häuserwänden. So setzt die Politik gerne auf Machbarkeitsstudien, um neue Projekte zu prüfen. Das erfreut die, die etwas Neues machen (lassen) wollen, und verschafft denen Zeit, die es umsetzen sollen. Zeit zum Überlegen, ob man das neue Projekt befürwortet – oder ablehnt.

So können wir auch die Reaktion des Verkehrsministeriums über die angekündigte Machbarkeitsstudie S-Bahn Mainfranken lesen: Positiv sieht Stuttgart „perspektivisch auch eine S-Bahn-Linie von Würzburg über den Bahnhof Lauda hinaus“ - vor allem Richtung Tauberbischofsheim/Wertheim und Bad Mergentheim/Crailsheim – „sowie eines Anschlusses an das derzeit am Bahnhof Osterburken endende S-Bahn-Netz entlang der Frankenbahn . . . Grundsätzlich sind . . . umsteigefreie Verbindungen über Lauda hinaus eine denkbare Option.“

Die Äußerungen sind Nebelkerzen, keine klare Stellungsnahme. Und ich komme mir vor wie in einer Satire: Seit Jahren würgt sich das Verkehrsministerium einen ab, den so dringend benötigt-gewünscht-sinnvollen Bahn-Nahverkehr zwischen Osterburken und Lauda endlich zu akzeptieren – und jetzt nennt es das mainfränkische S-Bahn-Projekt „perspektivisch positiv“. Von sich aus kommt das Land nicht auf die Perspektive S-Bahn-Verlängerung bis Würzburg.

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Veröffentlicht
Von
Klaus T. Mende
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Vor zwei Jahrzehnten war da mehr Perspektive: Im ländlichen Raum Mosbach-Osterburken wurde die Heidelberger S-Bahn-Verlängerung umgesetzt. Sie fährt seit 2003. Der dortige Landtagsabgeordnete setzte sich dafür energisch ein, und plädiert heute für den Halb-Stunden-Takt dort. Im gleich-ländlichen Raum Osterburken-Lauda-Würzburg war die S-Bahn ein rotes Tuch: kein Interesse, zu teuer, Hirngespinst. Unser Landtagsabgeordneter findet seit Jahrzehnten kein einziges Wort für den Bahn-Nahverkehr hier.

2009 ließ der Main-Tauber-Kreis eine „Bewertende Voruntersuchung“ zur S-Bahn-Verlängerung und Vergleich Regionalbahn-Ausbau der Frankenbahn erstellen. Ergebnis: RB-Ausbau aller neun Haltestellen ist deutlich billiger, leichter, sukzessive (und damit, so die Hoffnung, auch schneller) realisierbar. Gutachten Seite 51: „Es wird daher empfohlen, sich für die Finanzierung einer stündlichen Regionalbahn-Verbindung zwischen Lauda und Osterburken durch das Land einzusetzen.“ Der Kreistag nahm die Richtung des Gutachtens an.

Ziel war der RB-Regelbetrieb ab 2019; bis dahin wollte man Stationen ausbauen. Das Ministerium erkannte das Gutachten an. Im Dezember 2011 kam der Kreistags-Beschluss, für den Ausbau der ersten drei Stationen (Wölchingen, Schweigern, Königshofen) 917 000 Euro zur Verfügung zu stellen. Stuttgart sagte Förderung nach dem Gemeinde-Verkehrs-Finanzierungsgesetz zu, verlangte weitere technische Vorplanungen. Der Kreis erstellt diese.

Am 7. Oktober 2013 dann die Kehrtwende: der Verkehrsminister erklärte, aufgrund (neuer) finanzieller Rahmenbedingungen könne die RB-Ausweitung noch nicht 2019 erfolgen. Für die Bahn-Strecke Osterburken-Lauda war das ein zehnjähriger Rückschlag, für uns Anlieger wie ein Wortbruch.

Als nach den Demos 2018 überraschend doch die Regionalbahn ab 2019 angekündigt wurde, war es eine erneute Kehrtwende – aber nur halbherzig: RB Lauda-Osterburken nur im Probebetrieb, nur mit Mitbezahlung der Kreise, nur an drei Voll-Stationen und erneut diskriminierend: die auf keiner der Nachbarstrecken geforderte Mindest-Fahrer-Zahl von täglich 500 Personen.

Nicht alles ist machbar. Aber die Umwandlung des Bahn-Probebetriebs Lauda-Osterburken auf Regelbetrieb ist leicht machbar. Das Zeitfenster ist vorhanden.

Unsere Strecke braucht keine Gutachten zur Elektrifizierung – wir sind voll elektrifiziert.

Die Wieder-Einrichtung der früheren Haltestationen ist – im Vergleich zu S-Bahn-Projekten – schneller, einfacher, billiger machbar. Stuttgart muss es nur auch machen wollen.

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