AdUnit Billboard

Leserbrief - Zu „Pflegekräfte besser entlohnen“ (FN, 26. März) „Relevant für ein gutes Zusammenleben“

Lesedauer

Die Forderung, die Löhne der Krankenschwestern und anderer „systemrelevanter“ Berufe zu erhöhen, verdient Unterstützung. Auch, dass sie in der Krise erhoben wird, ist richtig – wir vergessen immer zu schnell, wenn alles scheinbar gut läuft.

Sie wirft aber auch Fragen auf. Wann haben wir denn gemerkt, dass Krankenschwestern, Altenpfleger, Kindergärtnerinnen . . . systemrelevant sind, und wann, dass sie zu schlecht bezahlt werden? In der Corona-Krise? Wann werden wir denn feststellen, dass die Erzeugung von Lebensmitteln „systemrelevant“ ist und die Erzeuger von Lebensmitteln zu schlecht bezahlt werden? Wenn eine Hungersnot ausbricht? Die Bauern weisen auf die Missstände hin, auch die Krankenhäuser, Altenheime, Schulen, Kindergärten . . . tun das seit langem. Sie haben eine schlechte Lobby, und auf unsere Unterstützung können sie normalerweise auch nicht zählen – siehe oben.

Und was heißt denn „systemrelevant“ und wer bestimmt das? Sind die Zocker, die auf die Entstehung von Pandemien wetten oder auf den Niedergang von Volkswirtschaften, wie im Falle Griechenland geschehen, „systemrelevant“? Könnte sein. Denn die Erzeugung von Geld nach dem Casinoprinzip scheint mir ziemlich symptomatisch für das System, in dem wir weltweit leben.

„Systemrelevant“ ist auch sonst kein guter Begriff – er dokumentiert ein Denken innerhalb der Regeln eben dieses Systems, wo das Lebensnotwendige eine schlechte Lobby hat. Ich schlage vor, auch wenn das sperrig ist: relevant für ein gutes Leben und Zusammenleben der vielen – dann wären auch Leute wie Sänger, Schauspieler und Musikschullehrer dabei – fände ich gut.

AdUnit Footer_1
AdUnit Mobile_Footer_1