Letztes Wort in Sachen Bahnhalt ist noch nicht gesprochen

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Zum Bericht „Über zehn Millionen Euro für Bahnhalt“ (FN 19. Juli)

Die Antworten kommen einem vor wie ein kurzes „Abwatschen“ der bisherigen Bemühungen für eine Mobilitätsverbesserung im ÖPNV für die Menschen in unserem Dorf.

Kleine Ortschaften, so wird der Eindruck erweckt, und das ist schon bemerkenswert, sind recht und gut, die darf man auch mit ihrer Gemarkungsfläche für eine Bahnlinie nutzen und den dortigen „wenigen Einwohnern“ die Lärm- und anderen Immissionen, wenn die Züge durchrauschen, durchaus zumuten. Man darf diese wenigen Kunden selbstverständlich auf entferntere Haltepunkte, mit Mehrkosten für diese, verweisen.

Die Kleinen, das ist immer 2. Klasse! Wirtschaftlich betrachtet einfach zu ignorieren. In welchem System leben wir eigentlich und vor allem in welcher Zeit? Mit welcher Arroganz wird kleinen Ortschaften der Zugang zum schienengebundenen ÖPNV abgesprochen?! Wollen wir ernsthaft den ÖPNV auch in der Fläche stärken? Wollen wir für ein besseres Klima sinnvoll investieren? Mit manchem Grundverständnis scheint es doch zu hapern. Wurden die Zeichen der Zeit in einer Zeitenwende überhaupt wahrgenommen? Bei grundlegenden Fragen der Daseinsvorsorge, so denke ich, darf man den nur „wirtschaftlichkeitsdenkenden“ Managern die Entscheidung in den Netzausbau der Bahnen nicht allein überlassen.

Auch sie müssen sich einbinden in einen politischen Handlungsrahmen, der sich am Wohl und Willen der Bürgerinnen und Bürger unseres Landes orientiert.

In der Frage, ob ein Bahnhalt kommt oder nicht, ist die politische Verantwortung von den Kommunen bis hinauf ins Verkehrsministerium gefordert. Von dort wurde bisher signalisiert, dass der Bahnhalt in Vorbachzimmern durchaus wünschenswert ist.

Die Umsetzbarkeit, das wissen wir, hängt an der technischen Weiterentwicklung der Züge.

Die Abkehr vom Dieselantrieb hin zur Elektro- oder Hybrid-Antriebstechnik steht bevor. Verbesserungen in die Schienen-System-Kreuzungsstellen können für schnellere Abläufe sorgen. Das eröffnet neue Chancen und schafft Reserven auch für neue Halte und stellt den „robusten Fahrplan“ und weiterführenden Verbindungen in die Regionen sicher. All dies ist bekannt und die Verbesserung daran bleibt eine permanente Aufgabe, welcher sich auch die Westfrankenbahn stellen muss.

Wir sind nicht so vermessen, dass wir uns auf ein bestimmtes Datum für die Reaktivierung fixieren. Die grundsätzliche Machbarkeit und der klare Wille muss aber das Handeln in der Zukunft bestimmen und für alle Menschen an den Bahnlinien auch die Chance des wohnortnahen Zustiegs ermöglichen.

Jetzt und in den kommenden Jahren entscheidet sich, ob wir klimaneutrale Ziele erreichen. Der ÖPNV, auch auf dem Land, muss gestärkt werden, muss attraktiver werden und näher an den Menschen sein. Die Argumentation der Westfrankenbahn haben wir zur Kenntnis genommen. Sie ändert nichts an unserer Zielsetzung, dass der Haltepunkt in Vorbachzimmern reaktiviert werden muss. Wenn es kurzfristig nicht funktioniert, dann eben mittel- oder längerfristig.

Wichtig ist, dass die Zielsetzung klar bleibt und sich alle in die Verantwortung nehmen, die zur Realisierung beitragen können.

Wo kommen wir mit unserem Wirtschaftlichkeitsdenken noch hin? Zum Beispiel im Sozialbereich, wenn Menschen über 70 Jahre möglicherweise in der medizinischen Versorgung, wichtige Operationen versagt werden, was ja immer wieder mal in den Diskussionen durchklingt. Wird vermeintlich „unwirtschaftlich“ automatisch ausselektiert?

In der Daseinsvorsorge für die Menschen im ländlichen Raum muss ohne Abstriche mit hoher Verantwortung eine sinnvolle Weiterentwicklung der ÖPNV-Infrastruktur und Machbarkeit angestrebt werden. Fakt ist, die Energiepreise steigen.

Individuelle Mobilität wird eingeschränkt durch hohe Kosten. Anvisierte Bahn-Tickets im bezahlbaren Bereich (zum Beispiel 9-Euro-Ticket oder das Nachfolgeticket) werden wertlos, wenn es keine vernünftigen Zugangsmöglichkeiten zum ÖPNV gibt.

Das Schienennetz darf nicht weiter ausgedünnt werden. Alle Ortschaften und Gemeinden, die an einer Bahnlinie liegen, müssen die Chance haben, an das Netz angebunden zu werden. Dadurch steigt die Attraktivität des Netzes.

Weniger Prestige-Projekte und die Vermeidung von Milliardengräbern (S 21) schaffen Reserven für vernünftige Investitionen in ein breites, intaktes, gut funktionierendes Netzangebot.

Zum Bahnhalt Vorbachzimmern ist das letzte Wort lange noch nicht gesprochen. Wir bleiben dran! Eine über 117-jährige Bahntradition muss nach fast 40 Jahren der harten, einseitig verfügten Trennung neu belebt und wieder eingegliedert werden. Es ist an der Zeit! Wenn nicht in diesen Jahren, wann dann?

Gerhard Hauf, Ortsvorsteher in Vorbachzimmern