AdUnit Billboard

Keine Lösung für komplexe Probleme

Lesedauer

Leserbrief zu „Das Ruder herumreißen“ (FN, 8. Juli)

In ihrem Leserbrief stellen die drei Verfasserinnen einen Zusammenhang zwischen jährlich abgetriebenen Föten und einem Fachkräftemangel her. Sie schreiben selbst, dass nur wenige diesen Zusammenhang sehen. Dem kann ich nur beipflichten, da er meiner Meinung nach nicht existiert.

Der Fachkräftemangel in Deutschland ist ein gesellschaftliches Problem. Die Ursachen sind unter anderem politischer Natur. Stellt man nun einen Zusammenhang zwischen Abtreibungszahlen und einem Fachkräftemangel her, lässt man multiple Ursachen schlicht außer Acht und gibt Frauen, die selbstbestimmt abtreiben, die Schuld an einem gesellschaftlichen Problem. Das halte ich nicht nur für ungerechtfertigt, sondern auch für höchst bedenklich.

Eine Abtreibung ist eine persönliche und freie Entscheidung, die den eigenen Körper betrifft und sollte straffrei und ohne Stigma möglich sein. Es gibt zudem auf der ganzen Welt Frauen, die nicht Mutter werden wollen. Diese treiben ab, egal was sie glauben, egal, ob Abtreibungen legal sind oder nicht. Verbietet man Abtreibungen, macht man sie nur zu einem gefährlichen und stigmatisierten Akt. Ein Abtreibungsverbot führt nicht zu kinderreichen Familien. Nein, es führt zu Frauen, die Angst haben schwanger zu werden und risikoreich Abtreibungen vornehmen lassen. In ihrem Leserbrief suchen sie eine einfache Erklärung für den Fachkräftemangel und argumentieren mit einer einfachen Lösung, der angeblich gottgegebenen Ordnung. Einfache Erklärungen für komplexe gesellschaftliche Probleme waren noch nie die Lösung. Ich halte sie eher für Teil des Problems.

AdUnit Footer_1
AdUnit Mobile_Footer_1