Leserbrief - Zu geplanten Veränderungen an Grundschule Für Bewegung, aber gegen weite Wege

Von 
Leserbrief-Schreiber: Edith Ehrmann und Marica Kurtisi (Bad Mergentheim)
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Ja, Kinder brauchen Bewegung und Laufen ist gesund. Viele Wege in Bad Mergentheim kann man gut zu Fuß bewältigen. Wir alle wissen jedoch, das der Erholungsfaktor beim Laufen davon abhängt, ob man viel und schwer tragen muss oder ob man unbelastet laufen kann.

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Nach kurzem Nachdenken dürfte vielen klar werden, dass Schulkinder eben nicht morgens, mittags und nachmittags fröhlich und entspannt durch den Kurpark hüpfen oder auf verkehrsberuhigten Wegen unbeschwert und sicher laufen würden.

Sollte die im Raum stehende Patentlösung für aktuelle Herausforderungen an die Grundschulorganisation umgesetzt werden, sieht der durchgeplante Tagesablauf eines Muster-Drittklässlers von sieben oder acht Jahren so aus: Morgens - bis zu 2,7 km Schulweg mit vollgepacktem Schulranzen, dazu eine Sporttasche, womöglich Zeichenblock, eventuell auch ein Musikinstrument, wetterbedingt zusätzlich noch Mütze, Handschuhe, Schirm, etc., pünktlich, aufmerksam im Straßenverkehr.

Mittags - von Lehrern begleitetes Laufen zum anderen Schulhaus für Mittagessen und Mittagsschule, mit Schulranzen, Sportsachen, Musikinstrument, je nach Wetter, Mütze, Schirm. Nachmittags - mit all dem nach Hause.

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Da spätestens ab der dritten Grundschulklasse auch Tests mit Büchern, Heften und Arbeitsblättern vorzubereiten sind, müssen viele Schulsachen mit nach Hause genommen werden. Der restliche bzw. nächste Schultag sind mittags vor dem Weg zur anderen Schule und nachmittags für zu Hause zügig zu organisieren.

Die berechneten Pausen bei verlängerten und zusätzlichen Wegen dürften nicht mehr als gesunde Bewegungspause, sondern als physische und psychische Belastungsprobe für Kinder, ausgelegt auf mindestens zwei Jahre, anzusehen sein.

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Ob der Schulweg als Training oder als Überlastung der Wirbelsäule und der kindlichen Rückenmuskulatur zu betrachten ist, hängt neben dem Gewicht der Taschen auch von der Zeitdauer des Tragens ab. Kinder sollten weite Strecken unbeschwert von Gepäck oder Zeitdruck laufen. Was sagen denn Kinderärzte und Orthopäden dazu?

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Das Kultusministerium Baden Württemberg dokumentiert in einem aktuellen Schreiben vom 27. November 2015: "Da Wohlbefinden eine wichtige Voraussetzung für erfolgreiches und selbstbestimmtes Lernen ist. . ."

Nach dem Schulgesetz von Baden-Württemberg haben "die Eltern. . . das Recht und die Pflicht, an der schulischen Entwicklung mitzuwirken. Die gemeinsame Verantwortung der Eltern und der Schule für die Erziehung und Bildung der Jugend fordert die vertrauensvolle Zusammenarbeit beider Erziehungsträger. Schule und Elternhaus. . . pflegen ihre Erziehungsgemeinschaft."

In diesem Sinne erfordert die geplante Neuorganisation mit Schulhausneubelegung die Beteiligung von Eltern an dem nun auch von Gemeinderäten geforderten Gespräch mit Stadtverwaltung und Schulleitung.

Alle Folgen, mögliche Risiken, die Erfordernis einzelner Maßnahmen an sich sowie mögliche Alternativen, auch unter Kostenbetrachtung, sind umfassend in die Erörterung einzubeziehen.

Im Vordergrund sollten Wohlergehen, Schutz und weiterhin beste Lernvorraussetzungen für die Kinder stehen.

Unabhängig von jeglicher theoretischen Abwägung empfiehlt sich der Praxistest aus Kindersicht unter realistischen Bedingungen: Mit proportional zum Körpergewicht großem und schweren Gepäck vier Mal täglich den Schulweg der Kinder ablaufen, mit Zeitvorgabe, bei allen Wetterlagen (Kälte, Schnee, Sommerhitze und Regen).

Viel Spaß beim Tun und Weiterdenken!