Leserbrief - Zu "Agitation mit Unwahrheiten und Unterstellungen" (FN 17. Februar) Einseitige Plattform für die Windkraft-Lobby

Von 
Leserbrief-Schreiber: Holger Hettinger (Schweigern)
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Wie nicht anders zu erwarten und wie auch schon an anderen Windkraft-Brennpunkten in der Region erfolgt, bieten die FN zum wiederholten Male einseitig eine Plattform für die Windkraft-Lobby, indem sie den beauftragten Gutachter Beck im Interview über strittige Windkraft-Pläne in Boxberg zu Wort kommen lässt, ohne selbst kritische Fragen zu stellen.

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Der FN-Redakteur versäumt es zum Beispiel zu hinterfragen, warum Gutachter Beck sich im Mai/Juni 2015 gezwungen sah, sein noch im Februar 2015 in öffentlicher Veranstaltung bei verstecktem Beifall der ZEAG und des Bürgermeisters unter dem Motto "Alles paletti" präsentiertes und unter dem 24.3.15 als Erst-Gutachten offiziell abgeliefertes Artenschutz-Gutachten zurückzuziehen, um es dann in der Fassung vom 8.6.2015 allerdings entsprechend überarbeitet und damit Fehler eingestehend erneut auszuliefern, nachdem zwischenzeitlich durch die Bürgerinitiative "Keine Windkraft im Boxberger Wald" vor Ort zahlreiche Greifvogel-Horste, und der Frauenschuh festgestellt wurden, der schon seit mehr als 50 Jahre auf diesem Standort wächst, gerichtsfest dokumentiert und dem Landratsamt/Untere Naturschutzbehörde gemeldet wurden, die in der Erst-Fassung des Beck-Gutachtens mit keiner Silbe erwähnt wurden.

Des weiteren weist das Beck-Gutachten Fassung vom 8.6.15 nach wie vor gravierende Fehler auf, wo geschützte Tierarten wie Zauneidechse oder Schlingnatter, Spanische Flagge und mehrere Greifvogel-Horste, die von uns gefunden, dokumentiert und teilweise dem Landratsamt/Untere Naturschutzbehörde ebenfalls gemeldet wurden, aber die im Beckschen Gutachten wieder nicht erscheinen.

Auch die Darstellung des Gutachters Beck zur endgültigen Einstellung der Windkraft-Pläne auf Gemarkung von Althausen/Bad Mergentheim, hart an der Gemarkungsgrenze zu Boxberg/Bobstadt/Schweigern, ist als Nebelkerze zu werten, wenn man die wahren Gründe kennt. So ist seine Behauptung, die Nachbargemeinde Bad Mergentheim hat bewusst aus finanziellen Gründen auf Zusatzkartierungen verzichtet, völlig falsch. Grund der Einstellung waren weniger finanzielle Gründe der Nachbargemeinde als vielmehr das Ergebnis der unter Ziff. 7, Seite 38 im uns von der Stadtverwaltung Bad Mergentheim freundlicherweise überlassenen Kaminsky-Gutachten vom 29.1.2014 enthaltenen "Naturschutzfachlichen Bewertung wo es klipp und klar heißt: "In der nördlichen Teilfläche ist in Bezug auf den Rotmilan in Abhängigkeit von der zukünftigen Nutzung als Brutrevier zum derzeitigen Zeitpunkt keine gesicherte Prognose möglich; es verbleibt in Bezug auf die nördliche Teilfläche ein Risiko in Bezug auf das Tötungsverbot nach § 44 (1) Nr. 1 BNatSchG."

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Aufgrund dieses auch für das einheitliche, nur durch eine "auf dem Papier" bestehende Gemarkungsgrenze getrennte, ansonsten aber zusammenhängende Untersuchungsgebiet Althausen/Bobstadt/Schweigern geltende Ergebnis hat die Stadt Bad Mergentheim die einzig mögliche Konsequenz gezogen, nämlich das ersatzlose "Einstampfen" der Windkraftpläne eine Einsicht, die bis heute bei der Stadtverwaltung Boxberg fehlt.