Ein Ärgernis

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Leserbrief zur FN-Berichterstattung über die Grundsteuererklärung.

In diesen Tagen mühen sich viele Bürger mit einer vom Finanzamt geforderten Grundsteuererklärung ab. Abgefragt werden Flurstücksziffern, Grundstücksgrößen, Bodenrichtwerte, Wohnungsgrößen und Wohnungszahl pro Haus und andere Sachverhalte, über die die öffentliche Hand längst informiert ist.

In den Katastern sind sämtliche Grundstückseigenschaften akribisch festgehalten, die Gemeinden sind im Besitz der Bodenrichtwert-Tabellen und die restlichen Informationen bietet das Grundbuchamt. Das ganze Projekt ist für Grundstücks- und Immobilienbesitzer ein ausgesprochenes Ärgernis.

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Von
Sabine Holroyd
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Wer ist der größte Grundstücksbesitzer im Land? Es sind die beiden großen Kirchen, die nicht nur Gotteshäuser, Gemeinde- und Pfarrhäuser besitzen, sondern zahllose andere Immobilien. Die Kirchen sind von der Grundsteuer und entsprechenden Erklärungen jedoch weitgehend befreit – durch das Reichskonkordat von 1933. In diesem Staatskirchenvertrag wurden zahlreiche Privilegien für die Kirchen festgeschrieben – unter anderem auch die Zahlung von Staatsleistungen.

Zuletzt waren es mehr als 500 Millionen Euro Steuergeld pro Jahr – als Entschädigung für Beschlagnahmungen in der Reformationszeit (19. Jahrhundert).

Das Konkordat wurde später von der Adenauer-Regierung übernommen und gilt bis zum heutigen Tag. Diese Ungleichbehandlung der Immobilienbesitzer und Verwalter sollte einem säkularen Bürger zu denken geben.