„Die Reichen werden nicht gefordert“

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Leserbrief zu „20 Tipps zum Energiesparen“ (FN, 15. Oktober).

Energiesparen ist jetzt angesagt und Tipps dazu sind immer hilfreich. So weit so gut.

Allerdings vermisse ich einen Tipp wie: Lassen Sie ihren Zweitwagen stehen, verkaufen sie ihr SUV, reduzieren Sie ihre Flüge drastisch, heizen Sie nicht alle Zimmer in ihrer Villa, verzichten Sie auf exotische Nahrungsmittel und schränken Sie ihren üppigen Konsum ein. Kurz: für die Ärmeren weiß man was sie zu tun haben, die Reichen werden nicht gefordert.

Dabei sind sie es, die den größten Energiebedarf haben, so eine kürzlich veröffentlichte Untersuchung. Kernaussage: Das reichste Prozent beansprucht 400 Gigajoule und mehr Energie pro Jahr. Zum Vergleich: Der Durchschnittsverbrauch aller Haushalte liegt bei nur 87 Gigajoule (Gas-, Strom- oder Ölverbrauch). Die reichsten zehn Prozent der deutschen Haushalte beanspruchen etwa so viel Energie wie die ärmsten 40 Prozent. Dazu zählt dann auch die Energie, die in der Herstellung der konsumierten Produkte steckt. Würden alle Deutschen ihren Energieverbrauch auf das Niveau der unteren 50 Prozent beschränken, brächte das gar eine Ersparnis von 41 Prozent.

Zur Bewältigung der Energiekrise ist Solidarität (Kanzler Scholz: „Gemeinsamkeit“) gefragt. Doch wer kennt dieses Wort und dessen Bedeutung überhaupt noch? Wenn wir es nicht schaffen, wirklich durch alle Schichten solidarisch zu sein, wird es zu noch heftigeren sozialen Unruhen kommen.

Wer will die? Im Grunde die wenigsten, aber einen Beitrag dazu zu leisten, wird nur den unteren Einkommen zugemutet. Wenn’s dabei bleibt, werden sich die Ärmeren gegenseitig bekämpfen und Rechtsaußen gewinnen.