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Schillerplatz Artikel weckt viele Erinnerungen

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Zum Artikel „ Chillen im Schillerpark – grüne Oase mitten in der Stadt“ vom 30. Juli:

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Grundsätzlich muss ich der Verfasserin recht geben. Der Schillerplatz ist ein schöner Platz. Wir wohnen hier seit vielen Jahren. Ich halte aber die Schilderung von Frau Seethaler für überzogen. Auf dem Schillerplatz haben wir ein Rattenproblem. Die riesengroßen Viecher rennen einem nachts fast über die Füße, wenn man noch mal mit dem Hund draußen ist. Die haben keine Angst.

Es liegen immer wieder sehr viel Müll und Essensreste herum. Die vorhandenen Mülleimer sind zu klein. Das größte Problem sind aber die Trinker, die sich hier fast täglich aufhalten und Wodka trinken bis zum Umfallen, nachdem sie in der Tagesstätte in D 6 von der Caritas versorgt wurden. Ohne die Hilfe von Caritas könnten die nicht seit Jahren auf der Straße überleben. Sie sitzen zeitweise fast täglich viele, viele Stunden im Park und nutzen diesen als Toilette. Manchmal wird hier auch gleich übernachtet. Ich kenne Anwohner, die wegen der Zustände mit den Trinkern weggezogen sind.

Diese Realitäten muss man auch sehen, wenn man über den Schillerplatz schreibt, gerade nachdem der Spielplatz von der Stadt so toll aufgewertet wurde und viel mehr Kinder auf dem Platz sind. Er ist dadurch noch schützenswerter geworden. Alle müssen dazu beitragen, dass der Platz sauber bleibt. Müll gehört in die Mülltonnen, dazu sind die da. Die Caritas muss auf die Trinker einwirken, damit die sich ordentlich verhalten.

Im lesenswerten Bericht über den Mannheimer Schillerplatz erwähnt die Autorin – leider wie schon Generationen vor ihr – einen angeblichen „Augenzeugenbericht“ über die Uraufführung von Schillers „Räubern“ im damaligen, dort befindlichen Nationaltheater. Dieser Bericht („Das Theater glich einem Irrenhaus…“) ist nach wissenschaftlicher Ansicht fingiert und damit nicht wahr, zumindest so zweifelhaft, dass er nicht zitierfähig ist. Dies und der Grund für diese Einschätzung lässt sich zum Beispiel einigen Mannheimer Ausstellungskatalogen zum Thema Schiller (2005) und den „Räubern“ (1982) entnehmen.

Schadet Bedeutung keineswegs

Von der Wiedergabe der kaum glaubhaften Schilderung im angeblichen „Bericht“ zukünftig abzusehen oder zumindest den Vorbehalt zu machen, schadet der Bedeutung der Uraufführung sowohl für Schiller als auch für Mannheim keineswegs, der Wahrheitsliebe dagegen schon.

Zu dem großartigen Artikel über den Schillerplatz möchte ich Ihnen herzlich gratulieren. Man spürt bei jeder Zeile, dass Sie sich in der Gegend wirklich gut auskennen. Wichtig ist Ihr Hinweis auf die Kühlwirkung des kleinen Parks. Näheres dazu finden Sie in der Stadtklimaanalyse von 2010. Leider hat die Stadt Mannheim es unterlassen, die für die Quadrate viel zu geringe Zahl von Parks durch den Friedrichspark zu ergänzen, aber diese Geschichte ist Ihnen sicher bekannt und soll hier nicht vertieft werden.

Da ich mit meiner Familie zu meiner Jungforscherzeit über 20 Jahre in A 3,7 direkt gegenüber der Jesuitenkirche gewohnt habe, kann ich Ihre Eindrücke von Park und Umgebung nur bestätigen. Nur sind die damals noch vorhandenen kleinen Geschäfte bis auf den Wollladen in A 3 verschwunden.

Meine damals nichtberufstätige Frau ging dreimal wöchentlich zum Markt, in den ersten Jahren mit Kinderwagen, und hat auf dem Weg dorthin beim Bäcker Heimen in B 2 durch die Ladentür gerufen „heute bitte ein Brot“. Dann hat Meister Heimen extra ein Brot etwas länger im Ofen gelassen und wenn meine Frau vom Markt und sonstigen Einkäufen zurückkam, war für uns ein sehr gut gebackenes Brot zurückgelegt. Der „Zwischenakt“ in B 2 war damals noch ein gut bürgerliches Gasthaus, das wir gelegentlich am Sonntag zum Mittagessen aufsuchten. Das Haus A 3,7 – heute direkt neben der Uni – gehörte dem Kirchenrestaurator Heller. Im Erdgeschoss war die Restaurierungswerkstatt und die Gesellen, aber auch Meister Heller, erklärten und demonstrierten mir sehr genau die Kunst der Vergoldung. Es war schon für mich ein schöner Zufall, dass ich 2003 als Rentner an der Uni Heidelberg als Gasthörer spaßeshalber eine Prüfung über „Methoden der Kunstgeschichte“ ablegte und dabei als Gasthörer wegen meiner exzellenten Kenntnisse der Vergoldung eine gute Note bekam.

Wie Sie sehen, hat Ihr Artikel bei mir viele Erinnerungen geweckt und ich kann Sie wirklich zur Ehrenmannheimerin ernennen.

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Dieter Schwab
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Info: Originalartikel unter https://bit.ly/3lnbO0J 

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