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Leserbrief - Zu „Verteilungskuchen für Ärzte erhöhen“ (FN, 26. Juli) „Angeführte Thesen sind abenteuerlich“

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Die vom Autor angeführten Thesen sind abenteuerlich: Beobachtung von Wirkung am eigenen Körper und Überzeugung wird mit Nutzennachweis gleichgesetzt. So könnte gleichsam auch das „Pusten auf eine Verletzung“ (bei Kindern millionenfach erfolgreich angewendet) zur medizinisch fundierten Behandlungsmaßnahme geadelt werden. Bei allen (!) Therapieformen müssen wir uns des Placeboeffekts gewahr sein: diesen zusätzlichen Wirkungsboost mit Erfolgswahrscheinlichkeiten von sieben bis 49 Prozent nutzen wir Ärzte tatsächlich auch bei vielen Maßnahmen aus. Das Medizinstudium ist nicht frei von naturheilkundlichen Inhalten: Die Approbationsordnung (§27 Abs. 1) schreibt das Erbringen von Leistungsnachweisen in diesem Bereich als Voraussetzung zur ärztlichen Prüfung vor. Sicher waren nicht „vor 100 Jahren alle Quacksalber“: Stets hat die Medizin versucht mit zur Verfügung stehendem Wissen zu Heilen und zu Lindern. Gleichzeitig wurde aber auch schon seit Jahrhunderten geforscht, dabei oft Althergebrachtes verworfen und durch Besseres ersetzt. Die Steigerung der Lebenserwartung im vergangenen Jahrhundert ist großenteils den Fortschritten der Medizin (vor allem in der Infektionsbekämpfung) geschuldet: Hatte ein Neugeborenes 1900 noch eine Lebenserwartung von 47 Jahren waren es 2000 schon 79 Jahre. Der Verdacht, Ärzte wollten „den Verteilungskuchen zulasten der Naturheilkunde“ erhöhen ist absurd und entbehrt jeglichem Sachverstand: nicht nur wir Hausärzte erbringen naturheilkundliche Leistungen alltäglich im Rahmen der pauschalierten Gesamtvergütung. Die Arzneimittelkosten sind von diesem Budget abgekoppelt.

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