Abschreckende Wirkung

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Zum Artikel „Rund 100 deutsche Schüler aus Bergnot gerettet“ vom 8. Juni:

Völlig unverantwortlich haben die (erwachsenen und studierten) Lehrer*innen gehandelt: die Gruppe startete um 15 Uhr (laut Nachrichten ORF) zu einer Tour, die mit zwei Stunden 15 Minuten 550 Meter Aufstieg angesetzt ist. Was hat man gedacht, wie spät die letzte Gondel vom Walmendingerhorn noch runterfährt? Oder wollte man in der Dunkelheit zurücklaufen? Eine Gruppe von circa 100 Personen braucht schon durch die Anzahl der Personen länger, zumal Kinder ab zwölf Jahre dabei waren.

Das Schimpfen auf das Internet ist nicht automatisch angebracht: Eine Tourbeschreibung nennt ein Schild, „das den Weiterweg nur mit Kletterausrüstung begehbar“ ausweist. In der Legende wird die Schwierigkeit mit T 4 Alpinwandern (bedeutet auch: keine Wegspur, Hände benötigt zum Vorwärtskommen, alpine Erfahrung, stabile Trekkingschuhe nötig, …) beschrieben. Die Definition T 4 wird bei Anklicken erläutert. Die Redaktion des „MM“ zitiert korrekt „eine wirklich klasse Feierabendrunde“, lässt die anderen Informationen aber weg, die die Tour anspruchsvoll beschreiben.

Eltern und natürlich die Schüler müssen sich darauf verlassen können, dass ihre Lehrer sich ordentlich informieren. Nur wenn man alleine wandert, kann man so etwas wagen (natürlich auch unvernünftig), aber sowie man Verantwortung trägt für Andere, muss man sich vielseitig anhand seriöser Quellen informieren, Wetter, Ausrüstung eines jeden einzelnen kontrollieren. Früher haben Lehrkräfte die Tour zuvor alleine gemacht oder Einheimische gefragt oder mehrere Tourbeschreibungen recherchiert.

Spannend bleibt die Frage, wer für die Bergrettung in fünfstelliger Höhe aufkommt. Auch wenn eine kleine Kostenbeteiligung weh täte: Sie hätte eine abschreckende Wirkung.

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Stefan Munz
Ort
Mannheim
Datum

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/3MUuyyK 

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Kommentar von
Michael Backfisch
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