Maßnahmen konterkariert

Michael Fürst zur Diskussion um die Fußball-Fortführung

Von 
Michael Fürst
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Wenn Politiker in diesen bitteren Krisenzeiten über die eventuelle Fortsetzung der Fußball-Bundesliga parlieren, fühlt man sich zurückversetzt in die Zeit der Römer: Brot und Spiele. Die Regale der Supermärkte sind gefüllt, nun gebt dem Volk noch den Fußball – und schon ist es zufrieden und still. Mit einer Wiederaufnahme der Bundesliga-Spiele würde man alle bisherigen Maßnahmen konterkarieren, denn: Wohin mit all den Fußballfans? Etwa 400 000 kommen an jedem Wochenende in die Stadien und Millionen treffen sich in Kneipen, um zusammen die Konferenzen und Spiele zu schauen. Stadien? Zutritt verboten! Kneipen? Geschlossen! Man darf doch jetzt in der Politik bitte nicht so naiv sein und glauben, die Leute bleiben alle brav daheim und warten auf die Sportschau um 18 Uhr. Vielmehr passiert das: Fans treffen sich beim Kumpel mit „Sky“-Abo und gucken, dicht nebeneinander, zusammen Fußball: Zu dritt, zu viert, zu fünft, zu sechst, zu siebt… Bierselig frönt man dem Gekicke, inklusive speichelhaltiger Freudenschreie und Flüche. Und wenn wir alle eines in den vergangenen Wochen gelernt haben, dann das, dass man solche Zusammenkünfte tunlichst vermeiden muss. Doch genau so würde es bei einer Fortsetzung der Bundesliga-Saison kommen – und die Infektionszahlen würden wieder unverhältnismäßig schnell steigen. Hat jemand schon einmal darüber nachgedacht, die Saison 2020/21 zu streichen – bei Profis und Amateuren? Man hätte so viel Zeit, die aktuelle Runde ordentlich zu Ende zu spielen und wäre nicht dauernd vom Aktionismus getrieben. Und wenn dann im Winter die Saison 2019/20 tatsächlich fertig wäre, würden uns für das kommende Frühjahr bestimmt klasse Ersatzwettbewerbe einfallen. Wie wäre es beispielsweise mit der Kreisliga im Champions-League-Modus?

Ressortleitung Leiter der Redaktionen Buchen und Sport