Erst Weizen, dann Volley

Michael Fürst heute ausnahmsweise mal nicht über Fußball

Von
Michael Fürst
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Es kommt höchst selten vor, dass wir in unserem "Spitz-Kick" die Sportart verlassen und nicht über irgendeine Firlefanz-Facette des Fußballs philosophieren. Heute ist es wieder einmal so weit, und zwar aus aktuellem Anlass: heute beginnt in der Region die Tennis-Saison!

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Ich möchte mich beim Blick auf das "Bitschbatsch" übers Netz aber einer ganz gewissen Sparte dieses Sports widmen: dem Altersklassen-Tennis. Für die, die es vielleicht nicht wissen: Es gibt im Tennis Altersklassen, beginnend bei "Herren/Damen 30", über "40", "50", "55", "60", "65", "70" bis hin zu "75"; auch "Herren 80" wollen ab und an ihren Gegnern noch zeigen, wo "der Bartl den Most holt". Heißt: Es messen sich dort jeweils "Gleichaltrige", die über 40, 50, 55.... Jahre alt sind. Das ist das Reglement.

So ein "Herren 40"-Match in der untersten Klasse ist ein Hingucker, weil es eine perfekte Mischung, aus Sport, Unterhaltung, Spaß und Slapstick ist. Dort treffen die unterschiedlichsten Tennis-Typen aufeinander, die sich kategorisieren lassen.

Der Möchtegern-Profi: Für ihn zählt nur der Sieg. Er protzt vor den Spielen mit seiner Leistungsstärke, prahlt mit Turnierteilnahmen, predigt auswendig sämtliche Ergebnisse der vergangenen Jahre herunter. Seine kleinsten Fehler während des Spiels, im Fachjargon "Unforced Errors" genannt, bringen ihn zur Weißglut, selbst am präzisesten Passierball findet er etwas auszusetzen. Das ständige Zwiegespräch mit sich selbst begleitet sein Spiel, das er aber zumeist gewinnt.

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Der Hobby-Spieler: Der Ehrgeiz ist ausgeprägt, erreicht aber nicht den Status der Verbissenheit. Technisch ansprechend. Er anerkennt verbal aber auch gute Schläge des Gegners, hat beim Seitenwechsel mal einen lockeren Spruch parat. Er erfreut sich dieses einst als elitär diffamierten Sports, und wenn der Gegenüber besser war, dann trinkt man danach trotzdem gemeinsam ein Bier. Geselligkeit gehört dazu.

Der Ex-Fußballer: Diese Kategorie Tennisspieler ist bei den wahren Tennisspielern verpönt, noch mehr allerdings gefürchtet. Tennis-Cracks, die in ihrem ersten Sportlerleben einmal gekickt haben, sind Typen, die oft nicht durch ausgefeilte Schlagtechnik brillieren, sondern vor allem durch einen unbändigen Laufwillen. Da, wo die "echten Tennisspieler" nach einem prima Schlag des Gegners anerkennend stehen bleiben und nicht mehr zum Ball wuseln, fangen Ex-Fußballer-Tennisspieler erst an zu rennen. Und das Erstaunliche daran ist, dass sie die meisten Bälle, die die "echten Tennisspieler" schon als Punkt abgehakt haben, noch holen und recht unelegant, aber effektiv wieder über das Netz löffeln. Und das so lange, bis der "wahre Tennisspieler" dann aus Verzweiflung doch den Fehler macht. Man erkennt die Ex-Fußballer optisch an der obligatorischen Kniebandage.

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Der Freizeitspieler: Klar ist: Vor dem ersten Volley trinkt dieser Spieler erst einmal ein Weizen. Auf dem Platz wird gelacht und gescherzt. Das Ergebnis ist zweitrangig. Er spielt nur deshalb Tennis, damit er am Ende des Tages stolz sagen kann, er habe sich sportlich betätigt. Die Kippe zwischen Einzel und Doppel ist genauso selbstverständlich.

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Dadurch ergibt sich nun eine wundervolle Mischpoke, denn nicht immer trifft Möchtegern-Profi auf Möchtegern-Profi usw. Die perfekte Mischung, aus Sport, Unterhaltung, Spaß und Slapstick ist also garantiert. In diesem Sinne: Gutes Spiel für alle!

Ressortleitung Leiter der Redaktionen Buchen und Sport