Emotionales Fehlverhalten

Michael Fürst zum ungebührenden Jubel der Profis

Von 
Michael Fürst
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Ich muss es gleich zugeben: Ja, ich glotze deutlich mehr Fußball in diesen tristen Lockdown-Tagen als „vor Corona“. Was will man denn auch den ganzen Abend machen, wenn man nicht ins Training oder seine Freunde treffen darf? Ja: Ich finde es okay, dass die Bundesliga läuft. Aber nein: Ich finde es sehr fragwürdig, ob in Zeiten, in denen der Normalbürger möglichst sein Haus nicht verlassen soll, die Profis durch Europa jetten, um Heimspiele auswärts auszutragen.

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Beim Dauer-Fußball-Gucken ist mir aufgefallen, und das ärgert mich massiv, dass sich die Super-Kicker auf dem Platz aufführen, als gäbe es kein Corona. Da wird gejubelt, umarmt und geknuddelt, es wird „eingecheckt“ und dem Mitspieler die Freude über ein Tor aus zehn Zentimeter Entfernung ins Gesicht geblökt. Das ist total unverhältnismäßig. Unser eins darf nicht einmal dem Nachbarn die Hand schütteln, um ihn zu begrüßen. Abstand!

Erinnern wir uns bitte an die Wiederaufnahme des Spielbetriebs in der Bundesliga 2020: Da wurde seitens der DFL explizit darauf hingewiesen, dass verhalten zu jubeln sei. Das kümmert heute keinen Profi und auch die DFL nicht mehr. Und das „emotionale Fehlverhalten“ wird auch dadurch nicht „gesühnt“ , dass man nach dem Spiel mit Maske im Stadion rumrennt. Alles Alibi.

So eine Party mit Kumpels, wie sie der Mönchengladbacher Breel Embolo gefeiert hat, kann ich noch als Fehlverhalten der Jugend einordnen. Dass sich aber die Super-Leuchten Matheus Cunha und Corentin Tolisso in einer Zeit, in der man nicht einmal zum Frisör gehen darf, tätowieren lassen, ist an Tumbheit nicht mehr zu überbieten. Die „hohen Geldstrafen“, welche die beiden von ihren Vereinen erhalten haben sollen, machen uns Amateursportler wütend und schmälern die Sehnsucht nicht, einfach nur mal wieder in der Gruppe Sport machen zu dürfen – welchen auch immer.

Ressortleitung Leiter der Redaktionen Buchen und Sport