Zeitzeichen

Nicht alltäglich

Ist es nicht schön, wenn sich großer Eifer lohnt? Da schreibt ein junger Mann auf der Suche nach einer bestimmten Frau, und daraufhin kommt eine sympathische Gruppe zusammen, die sich nun regelmäßig treffen möchte. Märchenhaft, oder? Damit man sich eine eigene Meinung bilden kann, sei der Fall aus Kanada, über den die Deutsche Presse-Agentur berichtet, näher dargestellt. Der junge Mann hatte in einer Bar mit einer jungen Frau namens Nicole geplaudert, ihre Telefonnummer erhalten und beim Versuch, sie anzurufen, festgestellt, dass die Nummer falsch war. Was tun, dachte er sich – er schaute im Online-Adressbuch der örtlichen Universität nach und schrieb alle 250 Nicoles, die er fand, per E-Mail an, wobei er auch Varianten wie Nicolette nicht aussparte.

Tatsächlich antworteten eine Menge Frauen, aktuelle und frühere Studentinnen, Sekretärinnen, Dozentinnen. Allerdings suchten diese dann vielmehr den Kontakt untereinander und nicht so sehr zu dem Mann. Also doch nicht märchenhaft? Die ursprünglich gemeinte Nicole, eine Austauschschülerin und keine Studentin, soll von einer der Angeschriebenen, die sie kannte, verständigt worden sein. Nun sei doch noch ein Treffen zwischen Suchendem und Gesuchter geplant, heißt es. Dabei hätte man ja denken können, die junge Frau habe absichtlich eine falsche Nummer angegeben, um nichts mehr von dem jungen Herrn hören zu müssen. Und er, vielleicht ein typischer Vertreter seiner Art, habe dies nur nicht wahrhaben wollen. Dann – und wenn sein Eifer nicht so groß gewesen wäre und sich die Nicole-Gruppe nicht gefunden hätte – wäre der Fall kaum berichtenswert, sondern nur alltäglich.