Zeitzeichen

„Mehr nicht“

Es wurde auch höchste Zeit: In diesen Tagen gehen die letzten Weihnachtslichter aus. Zur Erinnerung: Das Fest liegt schon etwas hinter uns. Aber feierfröhliche Menschen konnten sich auch in diesem Jahr nur schwer von ihrem nächtens leuchtenden Schmuck trennen: Strahlende Girlanden an Hausfirsten, blinkende Birnchen vor Terrassentüren und hoch oben in Bäumen und Sträuchern vor der guten Stube – sie alle kündigten schon Wochen vor Marias Niederkunft dieses freudige Ereignis an. Wir nahmen mit den vielen anderen Menschen ein wenig Fahrt in Richtung Weihnachten auf und deckten uns vorsichtshalber mit ein paar Kerzen als Gegenpart zu den glitzernden Himmelskörpern in der Umgebung ein: In Erinnerung an den norddeutschen Erzähler Wilhelm Raabe, der mal gesagt haben soll, wenn er abends so die Sterne am Firmament strahlen sehe, müsse er diesem Naturschauspiel natürlich etwas entgegensetzen und sich wenigstens eine glühende Zigarette (Zigarre oder Pfeife?) anzünden. Unsere Kerzen brannten erwartungsgemäß rasch herunter. Nun herrscht (bald) wieder die gewohnte Alltagsfinsternis.

Und wieder gilt Goethes Sterbebett-Diktum: „Mehr nicht“. Wobei diese Interpretation ja nicht ganz gesichert scheint, andere wollen ein „Mehr Licht“, wieder andere sogar ein hessisches „Mer licht hier so schlecht“, gehört haben. Wir tendieren zu Ersterem. Harald Sawatzki