Wissenschaft

Lage bei Naturschutzgebieten entscheidend

Archivartikel

Allein die Größe macht aus einem Naturschutzgebiet noch kein gutes. Wichtig sei vielmehr, dass Regionen mit hoher Biodiversität vorrangig geschützt werden, betonen Wissenschaftler um Stuart Pimm von der Duke University in Durham im US-Bundesstaat North Carolina. „Die Vorliebe der nationalen Regierungen besteht darin, Gebiete zu schützen, die ,wild’ sind, also in der Regel abgelegen, kalt oder trocken.“ Dort gebe es aber meist auch weniger Tier- und Pflanzenarten, erläutern die Forscher in der Fachzeitschrift „Science Advances“.

Die Forscher verglichen die Verbreitungsgebiete von 5311 Landsäugetieren, 10 079 Vögeln und 6397 Amphibien mit den wenig berührten Regionen. Das Ergebnis: Mit der Ausweitung der Schutzzonen auf die „Wildgebiete“ würden weniger Tiere geschützt als wenn man die Naturschutzgebiete über die Landoberfläche verteilen würde. „Im Allgemeinen unterstützt nur die Wildnis tropischer Feuchtwälder eine lokale hohe Diversität“, schreiben die Forscher.

Überrascht waren die Forscher von einem Ergebnis, das die am meisten gefährdeten Arten der untersuchten Tiere betrifft, nämlich die mit einem kleinen Verbreitungsgebiet: Sie sind durch den Zuschnitt der Naturschutzgebiete besser geschützt als bei einer zufälligen Verteilung der Schutzgebiete. Allerdings ist die Anzahl der Arten, von deren Verbreitungsgebiet weniger als ein Quadratkilometer geschützt ist, verhältnismäßig hoch: sechs Prozent der Säugetiere, drei Prozent der Vögel und 18 Prozent der Amphibien.

Recht gut hat es das Goldene Löwenäffchen: Es hat im Südosten Brasiliens ein Verbreitungsgebiet von etwa 4000 Quadratkilometern, von denen etwa 1300 Quadratkilometer geschützt sind. Der Grünmusketier oder Antioquia-Andenkolibri ist nur auf einer Fläche von 25 Quadratkilometern im Nordwesten Südamerikas zu Hause – doch mehr als die Hälfte liegt in Schutzgebieten.

Deutlich größer ist das Verbreitungsgebiet der Goldstumpfnase: Die Affenart bewohnt 300 000 Quadratkilometer im gebirgigen, zentralen China, von denen aber nur 40 000, also etwa 13 Prozent, in Schutzzonen liegen.