Wirtschaft

Industrie Management von GE verteidigt Umbau des Energiegeschäfts / Mannheimer IG-Metall-Chef Klaus Stein sauer

„Standort wird plattgemacht“

Archivartikel

Mannheim.Die Mitteilung von General Electric (GE) kommt morgens, noch während die Betriebsversammlung in Mannheim läuft, und sie verheißt nichts Gutes. Der Konzern plant, bundesweit rund 1600 Arbeitsplätze abzubauen – „in erster Linie“ an den Standorten Mannheim, Stuttgart, Berlin, Mönchengladbach und Kassel. Im Mannheimer Werk arbeiten noch rund 700 Beschäftigte vor allem im Service, nachdem in der Turbinenfabrik schon 1000 Jobs verloren gegangen sind. „Der Mannheimer Standort soll vollends plattgemacht und seiner letzten lebenserhaltenden Funktionen beraubt werden“, schimpft Klaus Stein, Chef der Mannheimer IG Metall. „Es ist unglaublich.“

Märkte brechen ein

Der Frust ist groß, zumal Alf Henryk Wulf, Chef von GE Power Deutschland, vor ein paar Monaten noch ganz anders geklungen hatte. Er sagte zu, die verbliebenen Mitarbeiter zu behalten. „Lug und Trug“ des Managements, fällt Elisabeth Möller dazu nur noch ein. Sie ist Konzernbetriebsratsvorsitzende von GE Power und Betriebsratschefin in Mannheim. „Damit stellt das Management mal wieder unter Beweis, dass Zusagen in keiner Weise glaubwürdig oder verlässlich sind.“ Sie erwartet, dass der Standort komplett geschlossen wird.

Ein Sprecher von GE erklärt, die Märkte seien weiter eingebrochen. In Kohle- und Gaskraftwerken wird weniger Energie produziert. Es herrsche ein enormer Preisdruck, unter anderem durch Wettbewerber aus Asien. Rivale Siemens nennt ähnliche Gründe für den jüngsten Sparkurs. In Deutschland stehe zudem der Markt für konventionelle Kraftwerke unter besonders massivem Druck, teilt General Electric mit. Offenbar konnte in den vergangenen Jahren kaum ein größeres Projekt verwirklicht werden.

Den Jobabbau wolle GE „so sozialverträglich wie möglich gestalten“, sagt Manager Wulf laut einer Mitteilung des Unternehmens. Das sei ihm auch persönlich wichtig. „Wir machen solche Vorschläge nicht leichtfertig.“ Bevor entschieden werde, solle auf alle Fälle mit den Arbeitnehmervertretern verhandelt und beraten werden.

Die IG Metall befürchtet, dass in Mannheim bis zu 600 Jobs wegfallen und ein „kleiner Rumpf“ zunächst am Standort bleibt, dann aber irgendwann umzieht. Ein Sprecher von GE bestätigt diese hohen Zahlen der Gewerkschaft nicht, sie lägen niedriger. Zudem gebe es keinen Beschluss über eine Verlagerung.

Nur kurz nachdem die Nachricht über einen neuerlichen Stellenabbau raus ist, überschlagen sich die Reaktionen. Die Mannheimer Stadtspitze ist verständnislos. GE habe zu wenig an Alternativen für den Standort gearbeitet, erklärt Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD). Der Konzernsprecher weist das zurück. Man habe durchaus nach interessierten Investoren gesucht – es habe jedoch keine gegeben.

Auch der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion und Mannheimer Abgeordnete Boris Weirauch kritisiert den Konzern. „Diese Hiobsbotschaft kurz vor Weihnachten ist ein harter Schlag für die Beschäftigten am Mannheimer Standort von GE“, teilt er mit. Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) solle sich in die Verhandlungen zwischen Management und Arbeitnehmervertretern einschalten.

Wie der Jobabbau am Ende aussieht, ist unklar. Dafür sei es noch zu früh, sagen GE und Gewerkschaft. Erst im Frühjahr wurden im Mannheimer Werk rund 1000 Arbeitsplätze gestrichen. Der US-Konzern zahlte Abfindungen und finanzierte Transfergesellschaften, in denen die betroffenen Mitarbeiter fit gemacht werden sollen für andere Jobs.

Überdimensionierte Flächen

GE hatte im Frühjahr ebenso angekündigt, entweder in Mannheim oder maximal 20 Kilometer entfernt bleiben zu wollen. Dass die Flächen am jetzigen Standort für die verbliebenen Beschäftigten zu groß sind, steht auch bei der Stadtverwaltung außer Frage. Seit Monaten gibt es Gespräche, um neue geeignete Flächen zu finden oder auch eine Lösung für den jetzigen Standort auszuloten. Es gibt Spekulationen, wonach das Mannheimer Werk nach Rheinland-Pfalz oder Hessen ziehen könnte: In der dortigen Metallbranche gelten niedrigere Tariflöhne.

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