Wirtschaft

Coronavirus Baden-Württemberg startet Antragsverfahren / Hessen und Rheinland-Pfalz ziehen nach

So kommen Firmen an Soforthilfe

Archivartikel

Rhein-Neckar.Um das wirtschaftliche Überleben kleiner Unternehmen und Solo-Selbstständiger während der Corona-Krise zu sichern, haben alle Bundesländer Hilfsprogramme ins Leben gerufen. Profitieren sollen auch Freiberufler und Künstler. Die Anmeldung startete in Baden-Württemberg am Mittwochabend, Hessen und Rheinland-Pfalz sind noch in der Planungsphase. Wir beantworten die wichtigsten Fragen:

Wie viel Soforthilfe gibt es in Baden-Württemberg?

Unternehmen mit bis zu fünf Beschäftigten und Solo-Selbstständige können eine Einmalzahlung von maximal 9000 Euro erhalten. Dazu zählen auch Freiberufler und Künstler. Antragsberechtigte mit bis zu zehn Beschäftigten können maximal 15 000 Euro und jene mit bis zu 50 Vollzeit-Mitarbeitern maximal 30 000 Euro erhalten. Die Höhe der Fördermittel errechnet sich aus den Umsatzeinbrüchen eines Unternehmens, die der Corona-Krise geschuldet sind und können den oben gelisteten maximalen Förderbetrag nicht überschreiten.

Ausbildungsbetriebe mit weniger als zehn Vollzeitbeschäftigten dürfen ihre Auszubildenden als Vollzeitkräfte zählen. Mitarbeiter auf 20-Stunden-Basis zählen als halbe Stelle und Mitarbeiter auf 450-Euro-Basis als Drittel-Stelle.

Wie viel wollen Hessen und Rheinland-Pfalz zahlen?

Hessen zahlt Unternehmen bis fünf Mitarbeitern 10 000 Euro, bis zehn Mitarbeitern 20 000 und von elf bis 50 Mitarbeitern 30 000 Euro. Rheinland-Pfalz bietet neben der Soforthilfe, die so hoch ausfallen wird wie in Baden-Württemberg, auch Sofortdarlehen an. Diese müssen allerdings innerhalb von sechs Jahren vollständig zurückgezahlt werden.

Welche Voraussetzungen müssen Unternehmen außerdem erfüllen?

Laut baden-württembergischem Wirtschaftsministerium gilt für Solo-Selbstständige und Kleinstunternehmer, dass sie mit ihrer Tätigkeit mindestens ein Drittel des Nettoeinkommens eines Haushalts bestreiten. Von der Soforthilfe ausgeschlossen sind Unternehmen, die bereits vor dem 11. März, also dem Tag an dem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Corona-Krise als Pandemie bewertet hat, Umsatzeinbrüche hatten.

Wichtig ist vor allem, dass der Antrag an das Bundesland gestellt wird, in dem sich auch der Sitz des Unternehmens befindet. Die Soforthilfe muss in keinem der drei Bundesländer zurückgezahlt werden.

Wie kann die Soforthilfe beantragt werden?

Das Verfahren ist für Baden-Württemberg einheitlich gestaltet: Auf der Internetseite des Wirtschaftsministeriums finden Unternehmen seit Mittwochabend den Antrag zum Herunterladen. Hochgeladen wird das Formular dann vollständig ausgefüllt im gleichen Format auf der Seite. In Hessen rechnet das Regierungspräsidium Kassel damit, dass das Antragsformular spätestens am Montag online ist. Ab wann in Rheinland-Pfalz das Geld beantragt werden kann, steht bisher noch nicht fest.

Welche Unterlagen brauchen Unternehmen für den Antrag?

Es werden keine Belege gefordert. „Das wäre zu umfangreich und zeitintensiv“, sagt Andreas Kempff, Geschäftsführer Industrie, Innovation und Unternehmensförderung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Rhein-Neckar. „Es geht hier um eine schnelle Beurteilung.“ Was jedoch auf keinen Fall fehlen dürfe, sei eine Unterschrift. Der Antragsteller muss allerdings einige Nummern bereithalten, etwa die der zuständigen Kammer und eventuell die Kundennummer bei der L-Bank. Für das Ausfüllen des Antrags wird außerdem eine Bankverbindung benötigt.

Wie läuft das Antragsverfahren anschließend ab?

Die baden-württembergischen Fördermittel vergibt das landeseigene Förderinstitut L-Bank. Ein eingereichtes Formular geht von der L-Bank an die zuständige Kammer. Diese bearbeitet dann den Antrag und schickt ihn zur weiteren Prüfung an die L-Bank zurück. „An dieser Stelle erhält der Antragsteller eine Zwischennachricht von der Kammer“, erklärt ein Sprecher der Handwerkskammer Mannheim. Bewilligt die L-Bank eine Förderung des Unternehmens, wird es informiert. Das Geld soll dann schnellstmöglich überwiesen werden.

Wie haben sich die Kammern auf die Antragsflut vorbereitet?

Um die Anträge schnellstmöglich zu bearbeiten, haben die IHK Rhein-Neckar und die Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald insgesamt fast 100 Mitarbeiter mit dieser Aufgabe betraut. Zusätzlich stehen den Unternehmen mehr als 20 Berater telefonisch zur Verfügung, die auch am Samstag erreichbar sein werden.

Info: Mehr Infos im morgenweb gibt es hier

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