Wirtschaft

Studie Arbeitnehmer glauben, dass es am unteren Ende der Einkommensskala nicht fair zugeht

„Niedrige Löhne ungerecht“

Berlin.Die meisten Arbeitnehmer empfinden niedrige Löhne in Deutschland laut einer Studie als ungerecht. Wenn etwa Friseure oder Paketboten in Vollzeit nur 1200 Euro brutto im Monat verdienen, ist das für 96 Prozent nicht gerecht, wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) ermittelte.

Die Forscher empfehlen, trotz Mindestlohns noch mehr gegen niedrige Einkommen zu unternehmen. Denn: „Wer sich ungerecht bezahlt fühlt, schraubt seine Leistung am Arbeitsplatz zurück“, sagte Studienautorin Jule Adriaans. Auch das Interesse an der Politik sinke. Hohe Einkommen halten die Befragten im Verhältnis demnach für weniger ungerecht als niedrige. Gehen Ingenieure oder Professoren mit 6100 Euro nach Hause, halten 38 Prozent dieses Gehalt für ungerechterweise zu hoch. Jeder zweite hält es indes für gerecht.

Das DIW in Berlin hatte Beschäftigte gefragt, wie gerecht sie bestimmte Einkommenshöhen und ihr eigenes Gehalt finden. Grundsätzlich haben die meisten Teilnehmer an deutlichen Lohnunterschieden nichts auszusetzen.

„Es wird breit akzeptiert: Wer mehr arbeitet, soll am Ende auch mehr herausbekommen“, sagte Adriaans. „Wenn jeder das bekäme, was er für gerecht hält, hätten wir immer noch Einkommensungleichheit – und zwar auf ähnlichem Niveau, wie sie tatsächlich vorhanden ist.“

Der Befund deckt sich mit anderen Untersuchungen. Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln etwa geht davon aus, dass sich 61 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland gerecht bezahlt fühlen. Auch nach dieser Erhebung vom vergangenen Jahr fühlen sich Beschäftigte im Niedriglohnsektor ungerechter entlohnt als Menschen mit höheren Brutto-Stundenlöhnen – besonders im Osten Deutschlands.