Wirtschaft

Ölheizung Wer eine alte Anlage ersetzt, muss vieles beachten / Fördergeld gibt es schon jetzt

Mit oder ohne Abwrackprämie – der Austausch lohnt sich

Mannheim.CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer hat eine Abwrackprämie für Ölheizungen angeregt. Was würde das bringen? Dazu wichtige Fragen und Antworten:

Ist es sinnvoll, die Ölheizung zu ersetzen?

„Entscheidend ist das Alter der Heizung“, sagt Jens Hakenes von der gemeinnützigen Beratungsgesellschaft co2online. Für eine Heizung, die älter als 15 Jahre ist, sollte ein Austausch auf jeden Fall erwogen werden. Für Ölheizungen, die älter als 30 Jahre sind, sei er sogar Pflicht. Bei jüngeren Heizungen könne eine teilweise Modernisierung helfen, die Anlage effizienter und damit umweltfreundlicher zu machen. Häufig werde die Heizpumpe ausgetauscht oder ein hydraulischer Abgleich gemacht. Dabei wird überprüft, ob alle Heizkörper ausreichend mit Warmwasser versorgt werden.

Wie viele Ölheizungen gibt es in Deutschland?

Nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft werden 5,8 Millionen Gebäude durch eine Ölheizung versorgt. Fast jede vierte Heizung ist 25 Jahre alt oder älter. Öl ist der zweitwichtigste Energieträger bei Heizungen, am häufigsten wird Erdgas genutzt.

Würde sich ein Austausch dank Abwrackprämie lohnen?

„Fördermittel sind gar nicht so entscheidend“, sagt Energie-Experte Hakenes. Welche Ersparnis eine neue Heizung tatsächlich bringe, lasse sich nur zusammen mit dem Verbrauch über mehrere Jahre berechnen. Eine solche Gesamtrechnung könne ein Energieberater erstellen. Energieberater, so Hakenes, hätten einen guten Überblick über die vielen Fördermöglichkeiten, etwa von der staatlichen KfW-Bank und vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa). Auch Bundesländer und Kommunen bieten Förderungen an.

Wie sind Ölheizungen aus Klimasicht zu bewerten?

Bemessen nach dem Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) schneiden fossile Energieträger deutlich schlechter ab als erneuerbare. Aber auch unter ihnen gibt es große Unterschiede: Nach der Kohle sorgt Heizöl für die meisten Emissionen, gefolgt von Erdgas und Fernwärme. Bei Fernwärme kommt es darauf an, mit welchem Energieträger und mit welcher Technik sie produziert wird. Fernwärme entsteht hauptsächlich durch Kraft-Wärme-Kopplung bei der gleichzeitigen Erzeugung von Strom und Wärme. Etwas besser als fossile Energieträger wird die Brennstoffzellen-Heizung beurteilt, bei der Wasserstoff eingesetzt wird.

Welche Heizsysteme sind aus Umweltsicht empfehlenswert?

Generell stoßen erneuerbare Energieträger wie Holz und Solarwärme deutlich weniger klimaschädliches Kohlendioxid aus. Aus Umweltsicht empfiehlt sich zum Beispiel eine Pelletheizung, Pellets sind kleine Stäbe aus gepressten Holzresten. Solarenergie, die über Kollektoren auf Dächern gesammelt wird, hat ebenfalls einen niedrigen CO2-Ausstoß, benötigt aber meist eine zweite Heizungsart als Reserve. Sie wird deshalb häufig in Kombination mit Gasheizungen genutzt, um den Anteil an fossiler Energie zumindest zu verringern.

Wie lassen sich Erdwärme und Biogas nutzen?

Bei der Nutzung von Wärme aus der Erde oder der Außenluft gibt es mehrere technische Varianten. Die in der Erde gespeicherte Wärme wird aus 50 bis 160 Metern Tiefe gewonnen und mittels Wärmepumpe zum Heizen genutzt. Diese Technik empfiehlt sich Hakenes zufolge aber nur für Heizungen mit niedrigen Temperaturen wie Fußbodenheizungen. Biomasse wiederum kann helfen, den fossilen Anteil bei Gasheizungen zu reduzieren. Biogasanlagen verwandeln Bakterien aus Mais, Grünschnitten, Mist oder tierischen Abfällen in Biogas, das sich direkt ins Erdgasnetz einspeisen lässt.

Und wie sieht es mit den Kosten aus?

Die Umstellung auf Fernwärme kostet 3000 bis 5000 Euro. Öl- oder Gasheizungen haben einen Anschaffungspreis zwischen 6000 bis 9000 Euro. Wer sie mit Solarwärme kombiniert, muss noch rund 5000 Euro darauflegen. Zwischen 10 000 bis 28 000 Euro kosten Wärmepumpen, bei Pelletheizungen sind es 17 000 bis 25 000 Euro. Für Brennstoffzellen-Heizungen müssen mindestens 30 000 Euro investiert werden. Nicht nur der Aufwand am Anfang, sondern auch das Verhältnis zu den späteren laufenden Kosten variieren sehr stark. Das sollten Käufer auch bedenken. Hakenes empfiehlt, beim Heizungskauf auf alle Fälle einen unabhängigen Energieberater hinzuzuziehen, um das richtige System für die individuellen Anforderungen zu finden. Auch die Verbraucherzentralen bieten Energieberatungen an oder vermitteln Berater.

Info: Infos und Service unter www.co2online.de 

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