Wirtschaft

Verbraucherschutz Weniger Zucker, mehr Informationen – Beschlüsse aus der Ministerkonferenz

Länder wollen Hersteller zur Kennzeichnung verpflichten

Archivartikel

Mainz.Lebensmittel- und Eierkennzeichnung, Finanzprodukte und Plastikmüll: Über rund 50 Themen haben die Verbraucherschutzminister der Länder bei ihrer dreitägigen Konferenz (VSMK) in Mainz beraten. Nicht in allen Fragen waren sie sich einig. Ein Überblick:

LEBENSMITTELKENNZEICHNUNG: Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) will die Verbraucher im Juli/August darüber abstimmen lassen, welches das beste Modell zur Kennzeichnung von verstecktem Fett, Zucker und Salz in Lebensmitteln ist. Im Juni wolle sie gemeinsam mit den Ländern und Verbänden einige Modelle dafür aussuchen.

Mit dabei sein soll der von mehreren Ländern favorisierte Nutri-Score aus Frankreich. Bei Nutri-Score werden verschiedene Bestandteile der Nahrung – wie Ballaststoffe und Proteine – verrechnet und die Lebensmittel auf einer fünfstufigen farbigen Skala bewertet. Zu Auswahl steht außerdem ein unter anderem wegen seiner Einfarbigkeit umstrittenes Modell der Bundesbehörde Max-Rubner-Institut.

EIHALTIGE LEBENSMITTEL: Klöckner will die Kennzeichnungspflicht für unverarbeitete Eier auf eihaltige Lebensmittel wie Mayonnaise, Kuchen, Frischeinudeln und gefärbte Eier ausweiten. Die Umweltorganisation BUND fordert darüber hinaus, ein verpflichtendes, staatliches Tierwohl-Label auch bei Fleischprodukten einzuführen.

WENIGER ZUCKER IN LEBENSMITTELN UND GETRÄNKEN: Zuckerzusatz in Babytees will Klöckner verbieten. Die Verbraucherschutzminister fordern die Bundesregierung auf, bei Zucker konkrete Reduktionsziele für Produktkategorien festzulegen, wenn es in den nächsten Monaten zu keinen branchenbezogenen Zielvereinbarungen im Sinne der Gesundheit komme.

LEBENSMITTELVERSCHWENDUNG UND PLASTIKMÜLL: Nur die Hälfte der Bundesländer will den Groß- und Einzelhandel bei der Lebensmittelverschwendung in die Pflicht nehmen. Die VSMK fordert aber die Hersteller und Vertreiber auf, den Einsatz von Kunststoffverpackungen zu reduzieren.

VERÖFFENTLICHUNG VON LEBENSMITTELKONTROLLEN: Da der Bund kein einheitliches System einführen wolle, planten die Länder, dieses auf den Weg zu bringen – möglichst abgestimmt, sagte die Hamburger Senatorin für Verbraucherschutz, Cornelia Prüfer-Storcks (SPD). „Wir wollen selbst für Transparenz sorgen.“

LEBENSMITTEL AUS DER REGION: Dieser Begriff sei unbestimmt und solle künftig transparent formuliert werden, berichtete Baden-Württembergs Ressortchef Peter Hauk (CDU) aus den Beratungen.

FAKE-SHOPS: Die Minister wollen diese virtuellen Läden künftig stärker kontrollieren, wie Hauk ankündigte. Das Bundesjustizministerium wird aufgefordert zu prüfen, ob eine Liste von Fake-Shops auf einer Webseite veröffentlicht werden kann. Bei der Registrierung müsse eine Identitätsprüfung eingeführt werden. dpa