Wirtschaft

Corona-Krise Kammern kritisieren Soforthilfe-Programme / Unternehmen mit 51 bis 250 Mitarbeitern „fallen durch das Raster“

IHK ruft nach Hilfen auch für größere Betriebe

Mannheim/Darmstadt.Der Andrang war groß zum Start des Soforthilfeprogramms des Landes Baden-Württemberg. Tausende Anträge gingen bei der IHK Rhein-Neckar ein. Doch die Kammer hält das Programm für Betriebe oder Selbstständige, die von der Corona-Krise getroffen sind, für nicht ausreichend.

Ein Hauptkritikpunkt: Hilfen bekommen Betriebe mit bis zu 50 Mitarbeitern. Das deckt zwar der IHK zufolge 97,5 Prozent der 70 000 Betriebe im Bezirk ab, der von Heidelberg und Mannheim bis in den Neckar-Odenwald-Kreis reicht. Diese kleineren Betriebe beschäftigen wiederum 35,5 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Größere Unternehmen kommen für die beschlossenen Soforthilfen aber nicht infrage – und damit auch knapp zwei Drittel der Arbeitnehmer in der Region nicht. „Obwohl diese doch den Großteil der Mitarbeiter beschäftigen und ebenfalls dringend Direkthilfen benötigen“, kritisiert IHK-Präsident Manfred Schnabel.

„Vor allem die Betriebe mit 51 bis 250 Mitarbeitern fallen durch das Raster“, so Schnabel. Im Bezirk der IHK Rhein-Neckar sind das nur zwei Prozent der Unternehmen, sie stehen aber für 25,5 Prozent der Beschäftigten. „Auch diese mehr als 1200 mittelgroßen Unternehmen brauchen Hilfe“, betonte Schnabel.

Für die großen Unternehmen sehe der Bund einen Wirtschaftsstabilisierungsfonds vor. Und neben Staatsbeteiligungen, so Schnabels Einschätzung, wird es vermutlich auch zu maßgeschneiderten Lösungen für Konzerne kommen.

Generell müsste der Staat auch Entschädigungen für direkt und indirekt von verordneten Schließungen betroffene Betrieben vorsehen, fordert die Kammer. Dazu zählt die IHK etwa Unternehmen aus der Gastronomie, dem Einzelhandel und der Messe-, Reise- oder Freizeitbranche. Diese hätten weiter Fixkosten, aber null Einnahmen und müssten für den ausgefallenen Ertrag entschädigt werden. „Außerdem brauchen sie eine Perspektive, wann sie wieder öffnen dürfen“, so Schnabel – möglichst bald und möglicherweise mit Auflagen zum Infektionsschutz.

Nicht ganz zufrieden ist Schnabel aber auch mit der Ausgestaltung des bestehenden Soforthilfeprogramms für kleinere Betriebe: Die Vergabekriterien könnten zu einer nicht gerechten Verteilung führen, befürchtet er. So werde zum Beispiel nicht ausreichend abgegrenzt zwischen Engpässen bei der Liquidität und Einbrüchen beim Ertrag.

Im Bereich der IHK Darmstadt Rhein Main Neckar können rund 45 000 Unternehmen, einschließlich Handwerksbetrieben, in den nächsten Tagen Soforthilfen beantragen. Dann startet in Hessen ein Hilfsprogramm für kleinere Betriebe. Auch die südhessische Kammer sieht eine Lücke bei der Unterstützung mittelgroßer Betrieben, bestätigt ein IHK-Sprecher. Dazu gebe es aber bereits Gespräche auf höchster Ebene zwischen Wirtschaft und Politik. „Wir gehen davon aus, dass hier nachgebessert wird“, so der Sprecher.

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