Wirtschaft

Automobil Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück fordert Mut beim Umstieg auf Elektromobilität - auch von den Mitarbeitern

"Die Zeitenwende ist da"

Berlin.Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück drängt darauf, die Entwicklung von Elektro-Autos voranzutreiben: "Jeder, der die Umbrüche nicht ernst nimmt, wird untergehen", sagt der Arbeitnehmervertreter. Die Beschäftigten müssten dazu notfalls umgeschult werden - auch 60-Jährige.

Herr Hück, auf der Internationalen Automobilausstellung steht ein spritfressender SUV neben dem anderen, moderne Antriebe sind in der Minderheit - verpassen die Konzernspitzen den Wandel?

Uwe Hück: Sie bekommen die Diesel und Benziner nicht von heute auf morgen weg. Die bleiben erst einmal. Aber wir müssen mehrgleisig fahren.

Das heißt?

Hück: Es kommen die Plug-In-Hybrid-Autos dazu. Sie drücken bei denen auf einen Knopf, dann schaltet sich der Elektromotor ein. Der ist für die Stadt. Raus fahren sie dann wieder mit dem Verbrenner. Und wir bekommen die ersten Elektroautos. Die Zeitenwende ist da. Wir brauchen mehr Leute, die das mutig angehen.

Matthias Wissmann vom Verband der deutschen Automobilindustrie hat gerade erst gesagt: "Die Feinde des Automobils schießen jetzt den Diesel an, die werden sich in Zukunft den Benziner vornehmen und übermorgen vermutlich das E-Auto." Das hört sich eher nach Starrsinn als nach Mut und Zeitenwende an.

Hück: Kodak war ein Pionier der Fotografie und dann zu lange in der Dunkelkammer, so dass sie heute pleite sind. Jeder, der die Umbrüche nicht ernst nimmt, wird untergehen.

Wissmann auch?

Hück: Nicht, wenn er den Umbau mit vorantreibt. China will ab 2018 eine Quote für Elektroautos vorschreiben, diskutiert auch ein Verbot von Benzinern und Dieseln. Das machen die nicht, weil die sich einen grünen Anstrich geben wollen, sondern weil die Luft in den Städten zu schlecht ist, das Klima sich wandelt und sie überleben wollen. Wer überleben will, braucht den neuen Antrieb.

Mit den neuen Antrieben fallen alte Jobs weg. Das macht sie als Betriebsrat nicht bange?

Hück: Ich bin überzeugt, als das erste Fahrrad entstanden ist, war der Hufschmied auch sehr nervös. In den nächsten Jahren fehlen aber enorm viele Fachkräfte in Deutschland. Wir müssen die Leute umschulen. Aber was ist schlimm daran, wieder die Schulbank zu drücken? Wenn Sie heute einen Verbrennungsmotor montieren, werden Sie künftig ein Spezialist sein für Leichtbaukarosserien oder für Digitaltechnik.

Wie viele Arbeitsplätze haben mit der Produktion von Verbrennungsmotoren zu tun?

Hück: Bei Porsche sind das 2000 von insgesamt 30 000.

Was sagen Sie den Betroffenen, die heute 60 Jahre sind?

Hück: Denen sage ich: Auch Du wirst eine Umschulung machen müssen, und das muss der Arbeitgeber finanzieren. Das ist doch kein Problem. Ich habe mich auch entsprechend weiterqualifiziert. Zum Beispiel mit dem Schwerpunkt Digitalisierung, weil ich nicht möchte, dass mir Jugendliche erklären, wo es langgeht.

Wie viel Zeit bleibt ihrer Einschätzung nach?

Hück: Den Verbrenner werden wir noch mindestens 20 Jahre brauchen. Und die Motoren werden noch sauberer werden. In Großstädten wird man schon bald vor allem mit Batterie fahren, aber in Südafrika oder Brasilien fehlt es noch an der Infrastruktur für die Stromer. In Stuttgart-Zuffenhausen, unserem Hauptsitz, entsteht derzeit eine neue Fabrik innerhalb der bestehenden. Im alten Teil bauen wir die Verbrenner und im neuen ab dem Jahr 2020 Elektroautos. Somit können wir den Markt besser bedienen.

Porsche entwickelt derzeit sein erstes reines Elektroauto, sie nennen die Entwicklung "Mission E".

Hück: Der Mut zum Umbau lohnt sich. In den nächsten drei Jahren werden wir für die Elektromobilität mindestens 1200 neue Mitarbeiter einstellen.