Wirtschaft

Weihnachtsmärkte in der Region

Das sagen Betroffene über ihre Situation

Archivartikel

Wir haben uns bei Geschäftsleuten in der Region umgehört und sie gefragt, wie wichtig Weihnachtsmärkte für sie wären.

Mannheim.Stefan Wemhoener, Geschäftsführer Tourist Service Deidesheim:

Die Absage des 47. Deidesheimer Weihnachtsmarkts ist für uns als kleine Stadt schwierig. Es ist ein großer Verlust für die Aussteller, aber auch für Unterkunftsbetriebe, Gastronomie und unsere Weinwirtschaft. Von den rund 220 000 nationalen und internationalen Gästen hat die ganze Region profitiert: Sie haben der Urlaubsregion Deidesheim und der Deutschen Weinstraße rund fünf Millionen Euro eingebracht. Wir erleben gerade nach den Stornierungen zum Glück auch eine Gegenbewegung. Einige unserer Stammgäste buchen trotzdem Unterkünfte zur Vorweihnachtszeit, um Deidesheim dann in besinnlicherem Rahmen zu erleben. 

Maja Donald-Blezinger, Geschäftsführerin Töpferzentrum Hasenmühle Weinsberg:

Unsere Namenstassen gibt es seit mehr als 50 Jahren auf Weihnachtsmärkten. Wir verkaufen unsere Keramik auf Märkten in Süddeutschland, zum Beispiel in Heidelberg. Dieses Jahr hängen wir in der Luft, weil unklar ist, ob und wo wir verkaufen können. Wir arbeiten das ganze Jahr für unser Weihnachtsgeschäft. Im Februar fängt unsere Produktion an, damit das Lager im Oktober voll ist. Das Weihnachtsgeschäft macht rund 60 Prozent unseres Jahresumsatzes aus. Kleinere Umsätze bedeuten einen viel schwächeren Start ins nächste Jahr. Unser Onlinegeschäft ist für uns keine gleichwertige Alternative. Wir brauchen die Präsenz vor Ort. Es müsste einen Weg geben, die Märkte stattfinden zu lassen. Wir schließen auch keine Geschäfte, obwohl die Fußgängerzonen teils voll sind.

Peter Schneider, Inhaber eines Mannheimer Schaustellerbetriebs:

Ich leite mit meiner Frau und unserer Tochter einen Schaustellerbetrieb. Wir betreiben Imbissbuden und Ausschank auf Veranstaltungen in ganz Baden-Württemberg. Unseren Glühwein gibt es auf dem Mannheimer Weihnachtsmarkt am Wasserturm seit über 40 Jahren. Angefangen hatten meine Urgroßeltern mit einer Holzbude. Heute gehören 15 Fahrzeuge zum Betrieb. Wenn der Weihnachtsmarkt – als letzte große Veranstaltung im Jahr – ausfallen würde, gäbe uns das wahrscheinlich den Rest. Wenn die Märkte nicht stattfinden, brauchen wir Schausteller staatliche Hilfen.

Lutz Pauels, Vorsitzender Werbegemeinschaft Mannheim City e.V.:

Sollte der Weihnachtsmarkt in Mannheim dieses Jahr nicht stattfinden können, wäre das ein Attraktivitätsverlust für unsere Stadt. Mit unseren Märkten am Wasserturm, den Kapuzinerplanken und der Märchenwelt locken wir jeweils ganz unterschiedliches Publikum in die Stadt. Diese Besucher gehen dann oft auch in Läden, Cafés und Restaurants in der Umgebung. Wie groß der Verlust für Gastronomie und Handel gegebenenfalls wäre, ist schwer zu sagen ohne Erfahrungswerte. Ein Weihnachtsgeschäft würde es auch ohne Märkte geben, die Leute bräuchten ja trotzdem Geschenke. Es wäre dann aber ein funktionaleres Einkaufen.

Heiko Schmidt, Geschäftsführer Schmidt- Omnibusreisen Lindenfels:

Wir Touristiker haben keine Planungssicherheit zur Zeit. Wir sitzen auf heißen Kohlen. Unser Busunternehmen bietet im Jahr rund 150 Fahrten zu Weihnachtsmärkten an, zum Beispiel nach Köln, Nürnberg, Freiburg oder ins Elsass, manche davon als Mehrtagesfahrten. Dieses Jahr konnten wir noch keine Fahrten in der Adventszeit ausschreiben, schließlich wissen wir nicht, welche Weihnachtsmärkte stattfinden werden. Was uns fehlt, ist eine Entscheidung von den Ländern und Kommunen. Ich habe zwölf Busfahrer und zehn Kräfte in der Verwaltung, die meisten aktuell in Kurzarbeit. Wir Busunternehmen sind auf unsere Fahrten angewiesen.

Werner Burgmeier, Präsident Landesverband Schausteller und Marktkaufleute Baden-Württemberg e.V.:

In Baden-Württemberg sind wir rund 1000 Schausteller und bis zu 3000 Marktkaufleute. Die Mehrheit von uns ist auf Weihnachtsmärkten vertreten. Diese Märkte machen rund 30 bis 40 Prozent unseres Jahresumsatzes aus. Sollten sie dieses Jahr ausfallen, geht es uns noch mehr an die Existenz. Weihnachtsmarktabsagen wie in Schwetzingen sind unserer Meinung nach zu voreilig. Wir haben die Kommunen gebeten, möglichst spät zu entscheiden. Man muss die Entwicklungen abwarten und versuchen, die Märkte unter den örtlichen Gegebenheiten möglich zu machen. Die Weihnachtsmärkte werden dieses Jahr anders sein. Aber egal in welcher Form – sie sollten stattfinden.

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