Wirtschaft

Finanzen Branchenverband sieht Institute gegen mögliche Kreditausfälle infolge der Corona-Pandemie gewappnet / Kritik an Negativzinsen der Europäischen Zentralbank

„Das Bankensystem in Deutschland ist stabil“

Frankfurt.Die deutschen Banken sehen sich für eine mögliche Pleitewelle durch die Corona-Pandemie gut vorbereitet. „Die Banken versorgen ihre Kunden mit der notwendigen Liquidität und haben im ersten Halbjahr mehr als die Hälfte des zusätzlichen Kreditbedarfs gestemmt“, sagt Hans-Walter Peters, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Banken (BdB). Dieser Aufgabe wolle man weiter nachkommen. „Die Luft hat bislang gereicht – uns sie wird weiter ausreichen. Das Bankensystem in Deutschland ist stabil.“ Ein möglicher Anstieg der Kreditausfälle sei keine Bedrohung für die Banken.

Gleichwohl fordert Peters Entlastungen. Dabei zielt er vor allem auf die Negativzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) für Einlagen der Banken. In diesem Jahr führe das zu Belastungen der Institute in Europa in Höhe von 10,5 Milliarden Euro, davon allein 2,6 Milliarden Euro bei deutschen Banken. Selbst die von der EZB eingeräumten Freibeträge sorgten kaum für Erleichterung.

Der Chef der Hamburger Privatbank Berenberg räumt zwar ein, dass die EZB den Banken seit Frühjahr besonders günstige Konditionen für Sonderkreditlinien der EZB wegen der Corona-Krise gewährt. Das sei aber befristet und müsse von der „andauernden“ Negativzinspolitik getrennt werden. Banken können sich zu Minuszinsen von bis zu einem Prozent Geld leihen, sie werden dafür also von der Notenbank belohnt.

Peters lässt auch außen vor, dass längst viele Banken von ihren Kunden für Einlagen zum Teil schon ab 10 000 Euro eine Gebühr verlangen und damit die Negativzinsen der EZB weitergeben. Peters zufolge haben europäische Banken seit 2014 rund 30 Milliarden Euro an Negativzinsen an die Notenbank überwiesen. Das Volumen sei in diesem Jahr wieder gestiegen, weil die EZB riesige Beträge in den Markt pumpe.

Höherer Freibetrag gefordert

Dieses Geld freilich könnten die Banken in dieser Größenordnung gar nicht als Kredite ausreichen. Weshalb sie mehr als im vergangenen Jahr bei der EZB zu Negativzinsen parken müssten. Peters dringt darauf, dass die Notenbank unter ihrer seit November amtierenden Präsidentin Christine Lagarde „diese Spätfolge der Draghi-Politik“ angeht. Unter der Führung von Lagardes Vorgänger hatte die EZB die Negativzinsen eingeführt. „Die EZB könnte den Freibetrag schnell und deutlich anheben“, sagt der Banken-Präsident. Generell wünscht sich Peters die allmähliche Abschaffung der Negativzinsen. Die EZB diskutiere das Thema mittlerweile, aber es fehlten Entscheidungen. „Im Gegensatz zur Geldpolitik in den USA fehlt die Konsequenz, die richtigen Schlüsse zu ziehen“, so Peters.

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