Wirtschaft

Pharma US-Konzern greift für 55 Milliarden Euro nach Allergan

Botox soll Abbvie verschönern

Archivartikel

Ludwigshafen.Der US-Pharmakonzern Abbvie mit einem großen Standort in Ludwigshafen will sich für eine Milliardensumme den irischen Botox-Hersteller Allergan einverleiben. Der Deal, dem die Allergan-Führung bereits zugestimmt hat, bewertet den Botox-Hersteller mit 63 Milliarden US-Dollar (55 Milliarden Euro), wie beide Seiten am Dienstag in North Chicago (US-Bundesstaat Illinois) und im irischen Dublin mitteilten.

Abbvie will den Preis teilweise in bar und teilweise in eigenen Aktien bezahlen. Die Übernahme würde dem Pharma-Riesen eine starke Position auf dem Markt für kosmetische Arzneimittel verschaffen. Zusammen kämen beide Konzerne im laufenden Jahr den Angaben zufolge auf einen Umsatz von 48 Milliarden Dollar. Es wäre eine der bislang größten Übernahmen aller Zeiten in der Pharmabranche.

Tief in der Region verwurzelt

Allergan ist vor allem für seine Produkte im Bereich medizinische Ästhetik bekannt und auf dem Gebiet Weltmarktführer. Der US-Pharmariese Pfizer hatte 2016 versucht, Allergan für 160 Milliarden Dollar zu übernehmen, war damit aber gescheitert. Mit dem Deal würde Abbvie seine Abhängigkeit von dem Rheuma-Mittel Humira verringern. Das umsatzstärkste Medikament der Welt war über Jahre der Wachstumstreiber für den Konzern, verlor im vergangenen Herbst aber seinen Patentschutz.

Abbvie beschäftigt in Ludwigshafen nach eigenen Angaben 1900 Mitarbeiter, mehr als die Hälfte davon im Bereich Forschung- und Entwicklung. Zudem werden dort Tabletten, Kapseln und Packungen für den Weltmarkt produziert. Der Abbvie-Standort ist tief in der Metropolregion Rhein-Neckar verwurzelt. 1886 gründeten Albert und Hans Knoll in Ludwigshafen die Pharmafirma Knoll & Co. 1975 kaufte die BASF die Aktienmehrheit und übernahm Knoll später komplett. 2001 wurde das Unternehmen an den US-Konzern Abbott verkauft. Im Jahr 2013 folgte die Aufspaltung des Konzerns in Abbvie und Abbott.