Wirtschaft

Luftfahrt US-Behörde spricht von Ähnlichkeiten bei Unglücken in Äthiopien und Indonesien / Mann aus dem Hohenlohekreis unter Opfern des jüngsten Absturzes

Boeing droht längere Stilllegung der 737 Max

Paris/Washington.Der Absturz einer Boeing 737 Max 8 in Äthiopien hat weltweit zu einer Furcht vor neuen Zwischenfällen geführt und den US-Hersteller in große Bedrängnis gebracht. Nach dem Startverbot für alle Boeing 737 Max auch in den USA ist ein Großteil der weltweiten Flotte des Flugzeugtyps vorübergehend lahmgelegt.

Die US-Luftfahrtbehörde FAA begründete das Verbot mit neuen Erkenntnissen zum Absturz einer Boeing 737 Max 8 in Äthiopien, die auf Ähnlichkeiten zum Crash eines baugleichen Flugzeugs im vergangenen Oktober in Indonesien hinwiesen. Diese Informationen erforderten weitergehende Untersuchungen, ob es sich möglicherweise um dieselbe Absturzursache gehandelt habe, hieß es in einer Dringlichkeits-Anordnung der FAA. Die Behörde rechnet nun offenbar mit einer längeren Stilllegung der Maschinen.

Rund 370 Maschinen am Boden

Mittlerweile ist die akribische Klärung der Unglücksursache angelaufen: Die beiden Flugschreiber der verunglückten Ethiopian-Airlines-Maschine kamen gestern in Frankreich an. Die sogenannten Blackboxes zeichnen den Sprechfunk im Cockpit und alle Flugdaten auf, weswegen sie für die Klärung der Unglücksursache entscheidend sein könnten.

Bei dem Absturz am Sonntag in Äthiopien waren alle 157 Menschen an Bord der relativ neuen Maschine ums Leben gekommen. Unter den Opfern ist auch ein Mann aus dem Hohenlohekreis. Es gebe aber keine Hinweise auf weitere Opfer aus dem Südwesten, sagte ein Sprecher des Innenministeriums auf Anfrage dieser Zeitung.

Es war der zweite tödliche Crash einer neuen Boeing 737 Max 8 innerhalb weniger Monate, weshalb seit Montag zahlreiche Länder als Vorsichtsmaßnahme ihren Luftraum für Maschinen dieses Typs gesperrt hatten. Am Mittwoch zog auch das Herstellerland USA nach. Damit bleiben die rund 370 seit 2017 ausgelieferten Maschinen am Boden. In Deutschland ist von dem Startverbot vor allem der Reisekonzern Tui betroffen, der bislang 14 Boeing 737 Max 8 im Einsatz hatte.

Für den Luft- und Raumfahrtkonzern Boeing ist die Stilllegung der Flotte ein Debakel. Der Aktienkurs ist seit Montag drastisch gesunken, es drohen wohl auch Entschädigungsforderungen der Airlines, die nun Flüge streichen oder andere Maschinen chartern müssen. Mindestens so schwer wiegt der Imageschaden. Manche Experten sahen in der Entscheidung Äthiopiens, die Blackboxes in Europa analysieren zu lassen, auch ein Misstrauensvotum gegen Boeing. Gewöhnlich werden die Flugschreiber nach Unglücken ins Land des Flugzeugherstellers geschickt, was in diesem Fall die USA gewesen wären. dpa/mis