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Interview Tanja Höpker leitet eines von bundesweit 18 Studienzentren / Mannheim ist wegen seines hohen Anteils an Migranten besonders interessant

"Ende des Jahres erste Zwischenergebnisse"

Archivartikel

Warum wird der eine krank, der andere bleibt fit bis ins hohe Alter? Welche Rolle spielen Zufriedenheit, Arbeit und Ernährung? Die Spannung auf Zwischenergebnisse der NAKO-Studie wächst. Ein Gespräch mit der Leiterin des Mannheimer Studienzentrums, Tanja Höpker.

Frau Höpker, wie läuft die Arbeit an der NAKO?

Tanja Höpker: Unser interdisziplinäres Team spiegelt die unterschiedliche Arbeit im Studienzentrum sehr gut wider. Ein Teil beschäftigt sich mit der Adressierung der Studie in der Bevölkerung, verschickt Einladungen, vereinbart Termine und steht für Fragen zur Verfügung. Hingegen ist die zweite Hälfte unseres Teams Experte in der Untersuchungsdurchführung und der qualitativ hohen Datenerfassung.

Was ist die Hauptaufgabe der Untersuchungen?

Höpker: Ziel des bundesweiten Forschungsprojektes ist es, die Entstehung von Krankheiten wie Krebs, Diabetes, Demenz, Herzinfarkt und anderen besser zu verstehen, um Vorbeugung, Früherkennung und Behandlung in Deutschland zu verbessern. Warum wird der eine krank, der andere aber bleibt gesund? Das ist die zentrale Frage, die die NAKO beantworten möchte. Erst mit Hilfe unserer vielen unterschiedlichen Untersuchungen und Befragungen können wir unser Vorhaben in die Praxis umsetzen und unsere Ziele erreichen.

Welches Budget gibt es für Ihren Teil der Studie insgesamt?

Höpker: Für die Durchführung der NAKO-Gesundheitsstudie steht ein Budget von 210 Millionen Euro zur Verfügung. Die Finanzierung läuft über den Bund, die Länder und die Helmholtzgemeinschaft.

Wie schwer ist es, Teilnehmer zu finden?

Höpker: Anfangs war die Gewinnung von Studienteilnehmern eher mühsam - dies kennen wir auch aus anderen Studien. Die NAKO war einfach noch zu unbekannt in Mannheim. In der Zwischenzeit hat sich dies geändert. Wir führen Kooperationen mit Arbeitgebern der Region, haben die Unterstützung von Stadt und Land. Im Frühjahr haben wir eine große Informationskampagne in Mannheim durchgeführt, indem wir per Poster und Flyern in der Stadt über öffentliche Einrichtungen, Ärzte, Apotheken, die Straßenbahn etc. auf uns aufmerksam gemacht haben.

Wie wichtig ist das Umfeld?

Höpker: Wichtig sind Empfehlungen durch das direkte Umfeld, wie zum Beispiel Familie, Freunde oder Nachbarn, die bereits bei uns im Studienzentrum waren und überzeugt die Notwendigkeit der Teilnahme weitertragen. Die NAKO hat sich in Mannheim herumgesprochen, die Gewinnung von Studienteilnehmern ist dadurch definitiv begünstigt. Das freut uns sehr; wir wissen nun, dass die NAKO in Mannheim angekommen und verankert ist.

Mit dem 5000. Kandidaten ist die Hälfte geschafft, Ist das Ziel erreicht, einen hohen Anteil an Migranten zu rekrutieren?

Höpker: Aufgrund der diversen Bevölkerungsstruktur Mannheims ist das hiesige Studienzentrum für die gesundheitsbezogene Migrantenforschung von besonders großer Bedeutung. Bislang konnten wir viele unterschiedliche Migrantengruppen erreichen und erfolgreich in die Studie einbinden. Wir versuchen, den Migranten den Zugang möglichst zu vereinfachen und freuen uns selbstverständlich über jeden Weiteren.

Peilen Sie immer noch 10 000 Teilnehmer an?

Höpker: Unser Ziel ist nach wie vor unverändert. Für den statistischen Aussagewert ist die Erreichung von 10 000 Studienteilnehmern in Mannheim, beziehungsweise 200 000 Studienteilnehmern in Deutschland, von großer Bedeutung. Mit Hilfe der Mannheimer werden wir dieses Ziel auch erreichen können.

Gibt es schon erste Ergebnisse und Erkenntnisse?

Höpker: Mit den Daten dieser ersten 100 000 Teilnehmer bundesweit werden Ende 2017 oder spätestens Anfang 2018 erste Zwischenergebnisse zu erwarten sein. miro

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