Vermischtes

Prozess 58-Jährige soll an der Côte d’Azur zwei Männer getötet haben / Ältere Herren im Visier

„Schwarze Witwe“ vor Gericht

Paris.Die Schwarze Witwe ist eine kleine Spinne, deren Gift gefährlich werden kann, je nach ihrer Verbreitung in Europa oder Amerika. Als „schwarze Witwe der Côte d’Azur“ wiederum wird eine Frau bezeichnet, die mehrere ältere, alleinstehende Männer in ihr Netz lockte. Weil sie nach Ansicht eines Gerichts in Nizza mindestens vier von ihnen vergiftet hat, zwei davon mit tödlichen Folgen, wurde Patricia Dagorn vor einem Jahr zu einer Gefängnisstrafe von 22 Jahren verurteilt. Sie selbst hatte alle Vorwürfe bestritten und ging in Berufung. Ab heute wird in Aix-en-Provence der Prozess gegen die 58-Jährige erneut aufgerollt.

Als Nebenkläger traten vor einem Jahr der damals 82-jährige Ange Pisciotta und der 91-jährige Robert Vaux auf. Pisciotta sagte aus, Dagorn 2011 über eine Annonce kennengelernt zu haben. Nach wenigen Tagen habe sie ihm einen Kaffee angeboten. „30 Sekunden nach dem Kaffee kippte ich um“, sagte Pisciotta. Am nächsten Tag sei er benommen aufgewacht und habe festgestellt, dass nicht nur seine Geliebte verschwunden war – sondern auch der neue Computer, den er für seinen Sohn gekauft hatte. Dieser sei ein Weihnachtsgeschenk gewesen, hatte die Beschuldigte vor Gericht erwidert.

Bereits zweimal verurteilt

Vaux wiederum berichtete, dass ihn Nachbarn auf seinen verschlechterten Gesundheitszustand hinwiesen, kurz nachdem er Dagorn kennengelernt hatte. Diese gab zu, Valium besessen zu haben, um es selbst einzunehmen, doch Vaux habe ihr Glas ausgetrunken. Zugleich hatte sie den Rentner um hohe Geldsummen gebeten und seinen Notar kontaktiert, um seine Alleinerbin zu werden.

Auch kamen die Ermittler auf Dagorns Verbindungen mit zwei Männern, die unter seltsamen Umständen ums Leben gekommen waren. 2011 lag Michael Kneffel tot und mit Valium-Spuren im Blut in einem Hotel für Obdachlose in Nizza. Im selben Jahr wurde der 85-jährige Francesco Filippone leblos in seiner Badewanne gefunden. Zeitgleich kassierte Dagorn einen Scheck über 21 000 Euro von ihm ein.

Insgesamt soll die sogenannte „schwarze Witwe“, die Gerichtspsychologen als gefühl- und skrupellos beschrieben, zwischen 2011 und 2012 über eine Partnervermittlungsagentur mindestens 20 Männer in der Region der Côte d’Azur kennengelernt haben. Dort suchte sie nach Partnern im Alter zwischen 50 und 80 Jahren – „oder auch mehr“. Bei einer Durchsuchung wurden Dokumente von verschiedenen Männern bei ihr gefunden, vom Scheckheft bis zu Kopien ihrer Ausweise.

Bereits 2012 war Dagorn zu einer fünfjährigen Haftstrafe verurteilt worden, weil sie versucht hatte, einen Witwer mit Valium zu vergiften und durch gefälschte Papiere an 215 000 Euro von ihm zu kommen. Zuvor hatte sie eine einjährige Bewährungsstrafe für die Beteiligung an Betrügereien ihres Ex-Mannes erhalten.