Vermischtes

USA „Florence“ bedroht Ostküste / Geschwindigkeiten von bis zu 250 Stundenkilometern erwartet

Küstenbewohner fliehen vor Hurrikan

Archivartikel

Myrtle Beach.Cindy Griffin prüft noch einmal ob die Fenster alle dicht, das Wasser abgestellt und die Lichter aus sind. Die Klimaanlage lässt sie laufen, denn sie weiß nicht, wann sie mit ihrem Mann wieder zurück in das kleine Reihenhäuschen in der Nähe von Myrtle Beach im US-Bundesstaat South Carolina kann. „Bei den Temperaturen hier fängt sonst alles an zu schimmeln“, sagt Cindy, die genau drei Straßenblöcke vom Meer entfernt lebt. Wenn die Vergangenheit ein Maßstab ist, sollten die Griffins sicher vor Überflutungen sein. Doch für „Florence“ gibt es kaum Vergleiche. Seit 1851 sind nur zehn Hurrikans in den Carolinas und nördlich davon mit der Kategorie 4 an Land gegangen.

Unvergessen bleibt in der Region das Wüten von Hurrikan „Hugo“, der 1989 mehrere Orte komplett verwüstete und mehr als 60 Menschenleben kostete. Aufgrund des ungewöhnlich warmen Wassers vor der Ostküste finden sich nach Angaben der Experten ideale Bedingungen für ein Erstarken von Florence bis zur Kategorie 5. Das entspricht Windgeschwindigkeiten von bis zu 250 Stundenkilometern in der Spitze.

Gefahr durch Wassermassen

Genug für die Griffins, dem dringenden Aufruf der Behörden zu folgen, im Landesinneren Zuflucht in einer der Notunterkünfte zu suchen. Donald Trump twitterte ein Satellitenfoto, das die bedrohlichen Ausmaße des Monstersturms zeigt. „Florence“ sei „äußerst gefährlich“, warnte der US-Präsident und riet, die Anweisungen der Verantwortlichen in den Bundesstaaten nicht zu ignorieren.

Die zogen Konsequenzen aus den Erfahrungen der verheerenden Hurrikans im vergangenen Jahr und ordneten bereits frühzeitig die Evakuierung an. Die Polizei gab auf den Highways die Spuren süd- und ostwärts für den vierspurigen Verkehr Richtung Norden und Westen frei. Die Navy ordnete das Auslaufen ihrer Schiffe von Norfolk an, weil diese auf dem offenen Meer besser vor Schäden bewahrt werden können. Supermärkte und Baumärkte hatten in den mutmaßlich am meisten gefährdeten Bundesstaaten Nord- und Süd-Carolina sowie in Virginia vielerorts bereits leere Regale, weil sich die Menschen mit Vorräten und Baumaterial eindeckten. Einigen Tankstellen ging wegen des Andrangs das Benzin aus.

Die Vorhersagemodelle lassen zum jetzigen Zeitpunkt noch keinen exakten Ort voraussagen, an dem „Florence“ auf das Festland trifft. Das „Nationale Hurrikan Zentrum“ warnt in jedem Fall vor „lebensbedrohlichen Konsequenzen“, weil „Florence“ ungewöhnlich viel Regen mit sich führt und tagelangen Niederschlag bringen könnte. Nach dem bisherigen Verlauf wird das Auftreffen von „Florence“ auf dem Festland zwischen morgen Abend und Freitagmorgen erwartet. „Wir wissen nicht, wann wir wieder zurückkommen“, sagt Cindy Griffin. „Aber wir lassen es nicht drauf ankommen.“ Bevor sie in ihren Explorer klettert und mit ihrem Mann losfährt, sagt sie: „Betet für uns.“