Vermischtes

Studie Forscher sehen Ernährung mit Olivenöl und viel Gemüse als einen Grund

In Spanien lebt es sich am gesündesten

Madrid.Deutsches Essen? Pachi rümpft die Nase. „Zu fett, zu vitaminarm! Und ... darf ich ehrlich sein? Oft auch ungenießbar“, sagt die 70-jährige Madrilenin. Das Essen sei vor Jahren einziger Negativpunkt eines Aufenthaltes bei Freunden in Berlin und Hamburg gewesen, erzählt die frühere Journalistin. „Wir Spanier essen und leben unterdessen so gesund und ausgeglichen wie in kaum einem anderen Teil der Welt.“

Stimmt das? Eine Studie des US-Finanzunternehmens Bloomberg gibt der Frau recht. Danach lebt es sich derzeit nirgendwo so gesund wie in Spanien. „Vielleicht ist es irgendwas im Gazpacho oder in der Paella, aber Spanien hat gerade Italien als gesündestes Land der Welt überholt“, heißt es in dem Bloomberg-Bericht. Tatsächlich hat das Land einen Sprung gemacht: Bei der letzten Erhebung 2017 lag es noch auf dem sechsten Rang. Deutschland belegt nur Platz 23.

Für die Auswertung wurden für 169 Nationen die Lebensgewohnheiten der Bevölkerung untersucht: Neben Daten für Übergewicht, Zigarettenkonsum, Gesundheitssystem und Lebenserwartung wurde die Ernährungsweise verglichen. Und da haben die Spanier – ebenso wie die auf Rang zwei liegenden Italiener – dank ihrer „mediterranen Diät“ anscheinend das Geheimrezept für ein langes Leben entdeckt. Wie etwa durch den Verzehr des Gazpacho. Die kalte Gemüsesuppe wird aus Tomaten, Gurken, Paprika, Zwiebeln und Knoblauch zusammengemixt – und ist nicht nur reich an Vitamin C, sondern soll auch entzündungshemmend wirken.

Für die Spanier handelt es sich allerdings um keine „echte Diät, die man sich aufzwingt, weil man abnehmen oder gesünder leben möchte“, betont Pachi. „Wir haben unser Essen sozusagen im Blut, in den Genen, es gehört zu unseren Traditionen.“ Sie liebe zum Beispiel Mangold, Paella „mit viel Olivenöl, natürlich extra vergine“ und den Cocido Madrileño, einen Kichererbseneintopf aus der spanischen Hauptstadt.

„In Spanien werden deutlich mehr Gemüse, Obst und Hülsenfrüchte verzehrt als etwa in Deutschland. Und als Fettquelle steht Pflanzenöl im Vordergrund“, sagt Matthias Schulze vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung. Es gebe Belege, dass eine pflanzenbetonte Kost vorteilhaft sei. „Dagegen sollte der Verzehr von rotem Fleisch, von verarbeiteten Fleischprodukten und der Konsum zucker-gesüßter Getränke eingeschränkt werden.“ Die Mittelmeerdiät wirke sich vor allem bei der Vermeidung sogenannter kardiometabolischer Krankheiten positiv aus: „Dies umfasst sowohl den Typ-2-Diabetes als auch Herz-Kreislauferkrankungen“, erklärt Schulze.

Bereits heute leben Spanier internationalen Studien zufolge länger als ihre Mitbürger in der EU. Weltweit lag das Land 2016 auf dem vierten Platz, nur in Japan, der Schweiz und Singapur war die Lebenserwartung höher. Das Institut für Gesundheitsmetriken und Evaluation an der Universität Washington rechnete vor, dass Spanien wohl bis 2040 führend sein wird: Die Bürger haben dann Schätzungen zufolge bei Geburt eine durchschnittliche Lebenserwartung von 85,8 Jahren. Die Deutschen wären nur 25. in der Rangliste, mit einem durchschnittlichen Sterbealter von 83,2 Jahren.

Pachi sitzt derweil mit einem befreundeten Pärchen – 90 und 92 Jahre alt – auf einer Bank und sagt: „Nicht nur das Essen ist wichtig. Sonne, Siesta, Spaziergänge, soziale Kontakte pflegen, Spaß am Leben haben ..., das ist unser Rezept.“