Vermischtes

Verkehr Britischer Premierminister gibt grünes Licht für Bau einer Hochgeschwindigkeitsstrecke

Im Schnellzug durch das Königreich

London.Es ist kein Geheimnis, dass der britische Premierminister Boris Johnson ein Fan von Großprojekten ist. Der Politiker möchte offenbar als „Baumeister Boris“ in die Geschichte eingehen, wie ihn eine Zeitung nannte. Meistens waren Johnson Ideen bisher so groß, dass sie auf der Insel erst Spott auslösten und dann in der Versenkung verschwanden. So schlug er etwa einmal eine Brücke über den Ärmelkanal vor.

Dieses Mal ist es anders, vermutlich auch deshalb, weil es sich nicht um Johnsons Einfall handelt. Der Premier gibt nur grünes Licht. Das britische Kabinett stimmte diese Woche der Hochgeschwindigkeitsstrecke HS2 zu – Europas größtem Infrastrukturprojekt. HS2, High Speed Rail 2, soll die Anbindung von London an die Midlands und den Norden Englands verbessern.

Mit den Hochgeschwindigkeitszügen, die mit bis zu 400 Kilometern in der Stunde schneller wären als ICE und TGV, soll die Fahrtdauer nach Birmingham auf 45 Minuten verringert, jene nach Manchester auf gut eine Stunde halbiert werden. Hinzu kommen neue Jobs. Mit dem Milliardenprojekt will die Regierung die vom wirtschaftlich starken Süden rund um die Hauptstadt abgehängten Regionen aufwerten und die dortige Wirtschaft ankurbeln. Und Johnson würde seiner neu gewonnenen Wählerschaft – ehemalige Labour-Anhänger, die bei der letzten Wahl seinem Versprechen glaubten, die regionale Ungleichheit im Land zu verringern – entgegenkommen.

Kritiker wüten gegen Megaprojekt

Es ist ein politisches Risiko, wie viele warnen. Das Projekt ist hochumstritten, weshalb es sich auch bereits seit zehn Jahren in der Planungsphase befindet. Die Kosten explodieren schon vor dem geplanten Baustart im Frühling. Bei HS2 ging die Regierung ursprünglich von Kosten von rund 32,7 Milliarden Pfund aus, 2015 waren die Schätzungen auf 56 Milliarden Pfund gestiegen. Nun wird mit bis zu 106 Milliarden Pfund (rund 126 Milliarden Euro) gerechnet.

Während die Wirtschaftswelt vornehmlich jubelt, wüten HS2-Kritiker, auch in Johnsons konservativen Reihen. Der Schaden sei größer als der Nutzen, da die Reduzierung der Fahrzeit nur gering ausfalle. Abgeordnete aus Wahlkreisen, durch die sich die Strecke ziehen soll, fürchten die Wut von Bewohnern, deren Häuser abgerissen werden sollen. Der größte Protest kommt von Umweltorganisationen. John Sauven, Chef von Greenpeace in Großbritannien, meinte, das Projekt gebe Johnson die „zweifelhafte Ehre, der größte Zerstörer dieses Jahrhunderts von historisch alten Wäldern im Vereinigten Königreich zu sein“.

Johnson weist die Kritik zurück und sagte, dass „dieses Land von seiner Infrastruktur gebremst“ werde. Tatsächlich herrscht im Mutterland der Eisenbahn Krise. Ein marodes Bahnnetz, verspätete Züge, überfüllte Waggons, steigende Preise – die Briten hinken seit Jahren Deutschland oder Frankreich hinterher.

Der erste Abschnitt der geplanten Gesamtstrecke von 531 Kilometern soll vom Londoner Bahnhof Euston nach Birmingham führen. Diese Strecke soll zwischen 2028 und 2031 eröffnet werden. In Birmingham würde sich die Trasse dann gabeln – westlich nach Manchester, östlich nach Leeds. Die Verlängerungen sollen bis 2040 fertig gestellt sein.

„Es wird ein Zeichen an die Welt sein, dass dieses Vereinigte Königreich im 21. Jahrhundert noch immer den Weitblick hat, große Träume zu träumen und den Mut, diese Träume zu realisieren.“ Ein bisschen schien es, als wäre Premier Johnson darüber enttäuscht, dass die Idee nicht von ihm stammte.

Zum Thema