Vermischtes

Frankreich 22-jährige Frau reicht Klage gegen Schauspieler ein / Ermittlungen auch gegen Philippe Caubère und Luc Besson

Gérard Depardieu bestreitet Vorwurf der Vergewaltigung

Archivartikel

Paris.Als er im Herbst 2017 nach Aufkommen der Vergewaltigungsvorwürfe gegen den US-Produzenten Harvey Weinstein und der #metoo-Bewegung nach seiner Meinung dazu befragt wurde, sagte Gérard Depardieu, er wolle nicht urteilen, halte sich fern von Denunziationen und „den Meuten“. „Aber ich hasse diejenigen, die anderen nachstellen, weil sie ihre Macht ausnutzen.“

Nun sieht sich der französische Schauspieler selbst dem schweren Vorwurf gegenüber, einer jungen Frau nachgestellt zu haben – und mehr: Eine angehende Schauspielerin, die französischen Medien zufolge die Tochter eines Freundes von Depardieu ist, beschuldigt ihn der sexuellen Aggression und Vergewaltigung am 7. sowie 13. August in dessen Pariser Wohnung während der Proben für ein Theaterstück. Am Montag reichte die 22-Jährige Klage ein. Dass die Staatsanwaltschaft von Paris Vorermittlungen eingeleitet hat, wurde gestern bekannt. Depardieus Anwalt Hervé Témime sagte im Radiosender „franceinfo“, sein Mandant bestreite die Anschuldigungen vehement: „Ich bin absolut überzeugt davon, dass die Vorwürfe auf keinerlei Tatsachen beruhen (...) und dass seine Unschuld bewiesen wird.“ Er bedaure, dass die Informationen über die Klage und Untersuchung an die Medien weitergegeben worden seien.

Massive Alkoholprobleme

Derzeit befindet sich Depardieu bei Dreharbeiten in Frankreich zu dem Film „Fahim“ des Regisseurs Pierre-François Martin-Laval. So umstritten der 69-Jährige infolge zahlreicher Eskapaden inzwischen sein mag – dass er zu den bedeutendsten Charakterdarstellern Frankreichs mit der Fähigkeit zu einer großen schauspielerischen Bandbreite und einer beeindruckenden Filmographie mit rund 200 Streifen zählt, zweifelt niemand an. So spielte er 1974 an der Seite seiner inzwischen verstorbenen Kollegin Jeanne Moreau in „Die Ausgebufften“, wurde 1990 für die Titelrolle in „Cyrano de Bergerac“ für einen Oscar nominiert, verkörperte einen der drei Musketiere in „Der Mann mit der eisernen Maske“ und mehrmals den „Obelix“. Nebenbei betätigt sich der Lebemensch Depardieu als Winzer, besitzt mehrere Weingüter in der ganzen Welt, Weinbars und zwei Restaurants in Paris.

Seine Neigung zum Alkohol wurde ihm bereits zum Verhängnis. In trunkenem Zustand soll er gewesen sein, als er 2011 bei einem Flug mit Air France in den Gang urinierte, weil ihm die Flugbegleiterin während der Startphase den Gang zur Toilette verboten hatte. Auch baute er wiederholt Motorrad- oder Rollerunfälle mit einer erheblichen Promillezahl im Blut. Durch seine unverblümt-provokante Art wendeten sich inzwischen viele Franzosen von Depardieu ab, der sein Land bereits als „von Dummen bevölkertes Disneyland“ beschimpft hat.

„Stolzer Russe“

Besonders scharf wurde die Debatte 2012, als der Schauspieler als Reaktion auf den Plan des sozialistischen Präsidenten François Hollande, eine Reichensteuer von 75 Prozent einzuführen, seinen Wohnsitz nach Belgien verlegen wollte. Kurz darauf nahm er das Angebot von Präsidenten Wladimir Putin an, russischer Staatsbürger zu werden.

In Werbeclips für russische Marken verkündet Depardieu, er sei „stolz, Russe zu sein“. Vorwürfe der sexuellen Nötigung oder Vergewaltigung an Depardieu waren bislang nicht bekannt geworden. Ermittlungen nach einer Klage laufen derzeit in Frankreich auch gegen den Schauspieler und Theaterregisseur Philippe Caubère sowie den Regisseur Luc Besson.