Vermischtes

Brandkatastrophe Pariser Kathedrale Notre-Dame massiv beschädigt / Ursache zunächst unklar

„Es tut weh, diese Bilder zu sehen“

Paris.Eines der bedeutendsten Wahrzeichen der französischen Hauptstadt, stolze 96 Meter hoch, mehr als 850 Jahre alt und damit von unschätzbarem Wert – lichterloh brennend. Groß war das Entsetzen, als sich gestern Abend im Internet die schockierenden Bilder und Videos von dem Feuer verbreiteten.

Spitzturm stürzt in die Tiefe

Eine riesige Rauchsäule und rußige Wolken schwebten über dem Bauwerk und räucherten das ganze Viertel auf der Pariser Stadtinsel Île de la Cité ein, das nicht nur symbolisch das Herz der französischen Metropole darstellt: Exakt vom Platz vor der Kathedrale aus, die vom zwölften bis zum 14. Jahrhundert errichtet wurde, wird der Abstand zwischen Paris und anderen Städten gemessen. Der Spitzturm war nach weniger als einer Stunde gänzlich vom Feuer aufgefressen und stürzte in die Tiefe. Bald griffen die Flammen auch auf den Haupt-Glockenturm hinter den beiden Zwillingstürmen und das Dach über dem Hauptschiff über.

Die Schäden drohen dramatisch zu sein. „Vom Balkenwerk, das auf der einen Seite aus dem 19. Jahrhundert und auf der anderen aus dem 13. Jahrhundert stammt, wird nichts übrig bleiben“, sagte der Sprecher der Kathedrale, André Finot. Gegen 18.30 Uhr habe man einen Alarm gehört, die Feuerwehrleute waren innerhalb von kurzer Zeit zur Stelle. Er könne nicht sicher ausschließen, dass sich zum Zeitpunkt des Brandes, der wohl vom Dachstuhl ausging, niemand im Gebäude befand. Zunächst wurde nichts über mögliche Verletzte bekannt.

Auch die Ursache erschien gestern unklar; noch am Abend leitete die Pariser Staatsanwaltschaft Ermittlungen ein. In den französischen Medien war zumeist von einem Zusammenhang mit den aufwendigen Renovierungsarbeiten die Rede, die derzeit am Dachstuhl des historischen Gebäudes durchgeführt werden und deren Kosten sich auf insgesamt rund 120 Millionen Euro belaufen sollen. Der zuständige Chefarchitekt, Philippe Villeneuve, konnte in einer ersten Reaktion keinerlei Erklärung für mögliche Gründe abgeben. „Es ist eine Katastrophe, über die ich weine. So ein Desaster ist unvorstellbar“, sagte er der Zeitung „Le Parisien.“ Zum Zeitpunkt des Brandes sei kein Arbeiter auf der Baustelle gewesen.

Bürgermeisterin Anne Hidalgo beklagte den „schrecklichen Brand“, den die Feuerwehr in den Griff zu bringen versuche. Ein Teil der Stadtinsel, auf der sich auch ein Notfallkrankenhaus befindet, wurde evakuiert, der Bereich um das Gebäude abgesperrt. Schockiert, manchmal auch weinend standen Touristen und Stadtbewohner hinter den Absperrungen. Auch die Bundesregierung zeigte sich bestürzt. Regierungssprecher Steffen Seibert twitterte im Namen von Kanzlerin Angela Merkel: „Es tut weh, diese schrecklichen Bilder der brennenden Notre-Dame zu sehen.“ Rund 400 Feuerwehrleute waren im Einsatz, die allerdings erkennbare Probleme dabei hatten, der Flammen Herr zu werden.

Denkmal der Weltkultur

Präsident Emmanuel Macron, der über Twitter erklärte, er sei „traurig, diesen Teil von uns brennen zu sehen“, eilte an den Ort des Geschehens. Eigentlich hätte er gestern Abend eine Rede im französischen Fernsehen halten sollen, in der er Maßnahmen ankündigte, um die aktuelle soziale Krise zu überwinden. Mit jährlich rund 13 Millionen Gästen gehört die Kathedrale zu den weltweit am meisten besichtigten Monumenten. In der Kirche, die im gotischen Stil gebaut und der Jungfrau Maria geweiht ist, finden im Jahr rund 2000 Messen statt.

Info: Mehr Bilder unter morgenweb.de/vermischtes

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