Vermischtes

Infrastruktur 2000 fuhren die ersten Autos über den Öresund zwischen Dänemark und Schweden

Brücke verbindet seit 20 Jahren Skandinavier

Archivartikel

Kopenhagen.Dass die Schweden eines Tages nicht mehr nach Dänemark gelassen werden, das hätten sich die Skandinavier am 1. Juli 2000 nicht ausmalen können. Damals weihten die Dänen und Schweden voller Stolz ihr wohl größtes gemeinsames Projekt der jüngeren Geschichte ein: Mit der Öresundbrücke schufen sie eine Lebensader, durch die die Region rund um die dänische Hauptstadt Kopenhagen und die drittgrößte Stadt Schwedens, Malmö, zu einer Einheit zusammenwuchs. 20 Jahre später haben die hohen Corona-Zahlen bei den einen dafür gesorgt, dass die Grenze der anderen für sie seit Monaten dicht ist – aus der Verbindung ist somit vorübergehend auch eine Abgrenzung geworden.

„Wir sind seit 20 Jahren vereint – und wir werden das immer sein“, beteuern die Betreiber der Öresundverbindung dennoch. Ungeachtet der Corona-Krise soll am Jahrestag gewürdigt werden, wie fast 16 Kilometer Stahl und Beton die 3,5 bis 4 Millionen Menschen in der Region seit der Einweihung durch Dänemarks Königin Margrethe II. und Schwedens König Carl XVI. Gustaf näher zusammengebracht haben.

Konzert in 200 Metern Höhe

„Tausende Menschen auf dem Weg zum Studium, zur Arbeit und in die Freizeit – rund um die Uhr, das ganze Jahr über“, heißt es auf der Webseite der Betreiber stolz. Gefeiert werden kann das coronabedingt zwar nicht mit großen Festen, dafür aber unter anderem mit einem online übertragenen Minikonzert auf einem der über 200 Meter hohen Brückenpylone. Das Jubiläumsmotto: „Zusammen bauen wir Brücken.“

Mehr als 114 Millionen Wagen sind seit der Eröffnung über die Brücke gefahren. Für Tausende Pendler stellt sie den täglichen Weg zur Arbeit dar. Sie teilen sich die Brücke vor allem im Sommer mit den Touristen, die heute die größte Kundengruppe ausmachen.

Zu Spitzenzeiten fahren mehr als 30 000 Fahrzeuge täglich über den Öresund, darunter normalerweise auch die von vielen deutschen Schweden-Urlaubern. Tja, und dann kam Corona. Dänemark hat sich Mitte März abgeriegelt und dabei auch seine Grenzen für Ausländer geschlossen. Schweden wählte dagegen einen freizügigeren Weg und ließ auch seine Grenzen für EU-Bürger offen. In der Region führte das zu einem Ungleichgewicht: Auf der einen Seite des Öresunds blieben in Malmö Schulen, Kindergärten, und Geschäfte geöffnet, auf der anderen Seite in Kopenhagen wurde all das geschlossen erst schrittweise wieder aufgemacht. Die Dänen haben die Pandemie mit ihren strikten Maßnahmen unter Kontrolle gebracht. Schweden dagegen ringt noch immer mit hohen Infektions- und Todeszahlen.

Die Schweden fühlen sich vom Rest Skandinaviens allein gelassen. Finnland, Norwegen, Dänemark: Ihre wichtigsten Partner ließen sie bei ihren Grenzöffnungen außen vor. Die dänischen Grenzen sind seit Samstag für Urlauber aus fast allen EU-Ländern offen – nur für Schweden außer denjenigen aus der nördlichen Provinz Västerbotten nicht. Manche sprechen von Diskriminierung, andere haben Verständnis für die Vorsicht der Dänen. „Der Bescheid zur geschlossenen Grenze ist natürlich traurig“, sagte die Vorsitzende der Kommunalverwaltung von Malmö, Katrin Stjernfeldt Jammeh. „Aber jetzt muss unser Fokus darauf liegen, die Infektionsausbreitung niedrig zu halten und zurückzudrängen.“ dpa

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