Vermischtes

Preise für Namika und Dietmar Hopp

23. Radio Regenbogen-Awards: Ein Fest zwischen Frohsinn und Tiefgang

Rust.„Kunst kommt von nicht anders können“ – es ist dieses Zitat von Thomas Brasch, mit dem Schauspielerin Suzanne von Borsody nicht nur den Abend eröffnet, sondern den 23. Radio Regenbogen-Award in Rust auch treffend hätte zusammenfassen können. Denn im Confertainment-Center des Europa Parks waren es am späten Abend vor allem markante Persönlichkeiten, die sich über die begehrten Auszeichnungen freuen – und ein Fest zwischen Frohsinn und Tiefgang bis in den frühen Morgen zur wilden Party machten.

Bereits auf dem roten Teppich versammelten sich zur Verleihung Persönlichkeiten aus Sport und Gesellschaft, um die Preisträger hochleben zu lassen. Der ehemalige Mercedes-Sportchef Norbert Haug posierte ebenso für die Kameras wie Tennis-Star Boris Becker, „Kaiser“ Franz Beckenbauer oder Moderatorin Sonya Kraus. Während „Cobra 11“-Schauspieler Erdogan Atalay selbst für Journalisten einige Autogramme schrieb, präsentierte sich Schwimm-Ikone Franziska van Almsick mit ihrem Lebensgefährten Jürgen B. Harder, den sie 2005 beim Regenbogen-Award kennengerlernt hatte.

Die Zeichen standen dementsprechend auf guter Laune – wenngleich Laudatoren wie Preisträger auch durchaus ernste Töne anschlugen. Nachdem der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff die 29-jährige Menschenrechtsaktivistin Fatuma Musa Afrah etwa als Frau „mit Courage und Engagement“ würdigte, die geflüchteten Frauen, Perspektive schenke, entgegnet die Sonderpreisträgerin im Gespräch mit dieser Zeitung, dass ihr Erfolg „ein Ruf der Frauen nach Freiheit“ sei, der endlich erhört wurde. Auch Franziska van Almsick, die für ihr Engagement im Präventions-Bereich bedacht wurde, wies unmissverständlich auf die fatale Situation in der deutschen Schwimmerziehung hin.

In ihren knappen vier Stunden vibriert die Preisverleihung dabei gekonnt zwischen Unterhaltung und Nachdenklichkeit. Während DJ Lost Frequencies das Festpublikum bei seinem zehnminütigen Set tatsächlich auf die Tanzfläche lockt und mit den Lords die „dienstälteste Rock-Band der Welt“ tüchtig für Stimmung sorgt, stellen Bosse und Johannes B. Kerner durchaus die Gretchenfrage.

Als „Aufsteiger“ beziehungsweise „Medienmann des Jahres“ ausgezeichnet, erzählen die zwei Preisträger – freilich ganz unterschiedlich – ihre eigene Geschichte zwischen Wille und Willkür zum Erfolg. Beide lassen dabei weder die Tiefpunkte ihrer Karriere noch die bisweilen auch giftigen Mechanismen der eigenen Branche aus: Dass ein junger Mann, der seine ersten Konzerte in Garagen spielte, mit 39 Jahren zum „Aufsteiger“ wird, und ein Moderator, den viele totgesagt hatten, über die Jahre hinweg konstante Fernseh-Präsenz beweist, machen daher beide nicht von ungefähr an ihrer Unbeugsamkeit fest – und hätten dabei formschöner nicht auf einen der Höhepunkte dieses Abends vorausweisen können.

Denn über den Preisträger der Ehren-Auszeichnung und Mäzen Dietmar Hopp sagt nicht nur die Jury: „Er stiftet Zukunft“ – der 78-Jährige stellt seine Standfestigkeit auch nach einer starken Laudatio von EU-Kommissar Günther Oettinger gekonnt unter Beweis. Dabei schlägt Hopp nicht nur den Bogen zwischen bürgerlicher Armut nach dem Krieg, die sich für ihn zu „unermesslichem Reichtum“ verwandelte, er sieht auch den Unterschied, den sein eigener Wohlstand für andere erreichen sollte: „Ich wollte, dass niemand mehr an Hunger, Not und Armut zugrunde gehen muss“, wie es der gebürtige Heidelberger auf den Punkt bringt, und sich philosophisch fast mit Komikerin Carolin Kebekus die Hand geben könnte. Denn auch, wenn die Comedy-Preisträgerin die Notwendigkeit ihrer feministischen Gedanken mit bitterbösem Zynismus garniert („Ich werde doch nicht durchgebumst und sage dann: Oh, der Penis der Erleuchtung hat mich berührt“) – in ihrer leidenschaftlichen Entschlossenheit haben der Unternehmer und die Komödiantin vieles gemein. Oder wie es Dietmar Hopp angesichts seines Engagements für den Sport mit Nelson Mandela sagen würde: „Sport hat die Kraft, die Welt zu verändern. Sport kann da Hoffnung schaffen, wo vorher Verzweiflung war.“ Konsequent gedacht, war so auch und gerade dieser Abend ein Akt zukunftsorientierter Hoffnung.

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