Stadtteile

Neckarstadt Aktionsbündnis Alter Messplatz diskutiert über den Neubau der Stadtbibliothek und die Videoüberwachung vor Ort

Quartier gegen drohendes Standort-Aus

Geht die Neckarstadt bei der Standortwahl für die Stadtbibliothek leer aus? "Die Gefahr ist jedenfalls groß, dass sich die Mehrheit des Gemeinderats für den Standort in N 2 entscheidet", so der Sprecher vom Aktionsbündnis Alter Messplatz, Karl Lederle. Damit stünde die Neckarstadt nach jahrelangem Hoffen und Bangen mit leeren Händen da. Das Wort vom "vergessenen Stadtteil" macht wieder die Runde.

Bei der Sitzung des Gremiums, einem Zusammenschluss von Stadtteilaktiven und Vereinen, machten die Mitglieder erneut deutlich, dass sie an ihrer Position festhalten: "Wir wollen die Bibliothek am Alten Messplatz", forderte Lederle die Stadträte auf, dies zu berücksichtigen. Doch lediglich SPD und Die Linke stehen bis dato hinter dem Verlangen. Für die SPD kündigte Stadtrat Reinhold Götz einen entsprechenden Antrag im Gemeinderat an. Er gehe davon aus, dass die Kosten allein für Neubauten an beiden Standorten etwa gleich seien.

Und SPD-Stadtrat Thorsten Riehle gibt in einem Schreiben an das Bündnis zu bedenken, dass auf N 2 eine wesentliche Parkfläche wegfalle. Er ist überzeugt, "dass bei nahezu gleichem finanziellen Aufwand die südliche Platzhälfte einen Vorteil bietet, weil sie von der verkehrlichen Infrastruktur des ÖPNV besser angebunden ist und aus dem innerstädtischen Bereich genauso gut zu erreichen ist wie N 2". Menschen, die den Alten Messplatz zum Umstieg in die nördlichen Stadtteile nutzen würden, könnten einfacher die Stadtbibliothek aufsuchen.

Zentrale Lage

Zur Erinnerung: Ein Gutachten zu N 1 (Ausbau im Stadthaus) und Altem Messplatz (Neubau) hatte Vorteile zugunsten des Alten Messplatzes ergeben. Die Stadt hat nun aber überraschend den Standort N 2 (Abriss städtisches Parkhaus und Neubau) ins Spiel gebracht und eine niedrigere Bausumme sowie die Finanzierung durch die stadteigene Parkhausbetriebsgesellschaft (MPB) in Aussicht gestellt - eine Annahme, die Götz bezweifelte. Zusätzlich zum Neubau müsse dort das bestehende Parkhaus abgerissen werden.

Die Grünen präferieren dagegen N 2. Der Standort sei kostengünstiger und zentraler, so Fraktionschef Dirk Grunert. Es gebe in der City mehr "Laufkundschaft" sowie ein Finanzierungsmodell, was einen zügigen Neubau ermögliche, während die Finanzierung für die Neckarstadt unklar sei. Grunert: "Diese und weitere Punkte haben uns dafür bewogen, N 2 vorzuziehen". Dennoch werde man weiter eine öffentliche Einrichtung auf der südlichen Platzhälfte unterstützen. Sinnvoll wäre aber, wenn diese kleiner ausfalle als 10 000 Quadratmeter Nutzfläche. Grunert: "Es soll bei einem breiten Zugang und guten klimatischen Bedingungen bleiben". Karl Lederle gab zu bedenken, dass die Bernhard-Kahn-Bibliothek im Falle eines Neubaus auf dem Alten Messplatz aufgegeben werden könnte. Damit würden seiner Meinung nach jährliche Kosten von mehr als 100 000 Euro eingespart.

Andere Redner erinnerten daran, dass eine derartige Einrichtung ein Beitrag zur Stadtentwicklung sei. Für Hans-Georg Dech vom Bezirksbeirat handelt es sich beim Standort Alter Messplatz um eine "sehr zentrale Lage, auch wegen der guten Verkehrsanbindung". Hans-Joachim Hirsch erinnerte an die Planungen zum Stadtjubiläum 2007. Durch eine Aufwertung des Alten Messplatzes sollte eine Bildungs-Achse vom Schloss bis in die Neckarstadt entstehen. Das sei dann "ausgeträumt". Ein Ersatz, so befürchtet das Bürger-Bündnis, sei derzeit nicht in Sicht. Im Gespräch war ein Museum des Instituts für Deutsche Sprache. Doch: Die Publikumsfrequenz wäre viel geringer und die Auswirkung auf die Neckarstadt-West minimal. Lederle: "Wenn die Stadtbibliothek nicht kommt, werden Anstrengungen für eine Alternative verlangt, ansonsten ist die Stimmung am Ende".

Weiteres Thema war die Video-Überwachung auf dem Alten Messplatz: Während einige Teilnehmer die Maßnahme begrüßten, um das Sicherheitsempfinden der Bevölkerung zu stärken, kritisierten andere die Einschränkung von Freiheitsrechten. Die Kameras würden die Kriminalität nur verlagern. Schon jetzt werde der Weg vom Alten Messplatz nach Hause als bedrohlicher empfunden. Unverständlich sei, dass das Neckarufer nicht in die Überwachung einbezogen werde. Kritik gab es an der fehlenden, öffentlichen Beteiligung des Bezirksbeirats. Die Begründung der Stadt, es handle sich um ein gesamtstädtisches Problem, konnte niemand nachvollziehen. "Auf diesen Sitzungen hätte man bestimmt auch einiges von der Einstellung der Bürger mitbekommen", so die Meinung.

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