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Neckarau Sportanglervereinigung Mannheim-Süd (SAV) mit 320 Mitgliedern größter Angelverein der Stadt / Ehemalige Kantine der Amerikaner ist heute Vereinsheim

Die Angler im Süden – damals und heute

Archivartikel

Im Jahre 1910 gründeten Angelfreunde den „Angel- und Fischzuchtverein Neckarau“. Heute ist die „Sportanglervereinigung Mannheim-Süd“ mit 320 Mitgliedern wohl der größte Angelverein in der Quadratestadt – und feiert am 15. und 16. September Fischerfest. Ihren Namen gaben sich die Mitglieder 1952, als sich die Neckarauer und Rheinauer zusammenschlossen. Nach langen und zähen Verhandlungen konnten die Angelfreunde endlich im Jahre 1919 die Hafenbecken in Rheinau pachten. Heute werfen die Vereinsmitglieder ihre Ruten in den Hafenbecken 21, 22 und 23 aus.

Da die Angler kein eigenes Vereinsheim hatten, waren sie immer auf Wanderschaft. Stationen bedingt durch Schließung oder Pächterwechsel waren die Gaststätten in Neckarau – Deutscher Kaiser, Zum Waldhorn, Zum Weißen Hirsch, Zum Augarten, Spinnrädl, VFB Kurpfalz und Zur Silberpappel, Volkstümlicher Wassersportverein. In Rheinau waren dies das Relaishaus, Eichbaumstübl, Zur Wartburg, Zum Pfalzgraf, Neuer Rheinauhafen, und Zum Rheinauhafen.

Weder Strom noch Wasser

Im Jahre 2007 ergab sich die Gelegenheit, die ehemalige US-Kantine auf dem Gelände des Großkraftwerks (GKM) zu übernehmen. Überhaupt seien die Beziehungen zum GKM ausgezeichnet, betont der Vorstand, schließlich würden etwa 40 Mitglieder dort arbeiten. Damals gab es auf dem Gelände weder Strom noch Wasser. Das musste in mühevoller Arbeit alles erst selbst angeschafft werden. Mit viel eigenem Schweiß und auch Angst wurde daraus ein kleines „Schmuckstück“, ein ansehnliches Vereinsheim, auf das die Mitglieder zu Recht Stolz sein dürfen. Hier treffen sie sich jeden Donnerstag, wenn nicht gerade ein Feiertag ist, zum geselligen Beisammensein und zum Austausch. „Das Gelände war früher gesperrtes Gebiet. Hier durften wir nicht hinein. Das war halt so“, erinnert sich zum Beispiel Vorstandsmitglied Martin Klug. Hier hatten die Amerikaner ein Kohlelager errichtet, mit dem sie im Notfall alle Kasernen in der näheren und weiteren Umgebung beliefern konnten, um so immer genug Brennstoff zu haben. Auch sei das Wasser im Rhein nicht allzu sauber gewesen. „Die Fische, die man selbst essen wollte, wurden erst einmal zu Hause in die Badewanne gelassen. Etwa zwei Tage später konnte man an den Verzehr denken“, weiß Kassier Reiner Winkler. Heute ist das anders. „Der Rhein ist ein sauberes Gewässer, aus dem wir Hecht, Zander, Wels uns andere Fische angeln“ berichtet Vorstand Andreas Dietrich.

Für das Fischerfest, das am 15.und 16. September auf dem vereinseigenen Gelände stattfindet, besorgen die Angelfreunde vor allem Rotaugen und Forellen. „Diese werden selbst paniert und gebacken“, so Dietrich, der weiß, dass es ohne diese ehrenamtliche Unterstützung gar nicht ginge. In den Zelten haben neben Getränken, Essen und der Fischbäckerei auch die rund 300 bis 400 Gäste Platz, die an den beiden Tagen bewirtet werden.

Zeltlager für Jugendliche

Am Sonntag spielt außerdem ab 10 Uhr der Musikverein Ketsch zur Unterhaltung der Gäste auf. Da weisen die Angler noch auf ein anderes wichtiges Event im Vereinsleben hin: das Karfreitags-Fischessen. An diesem Tag werden von 10.30 bis 15.30 Uhr Fische angeboten „Meistens sind wir um die Mittagszeit aber schon ausverkauft, egal wie viele Fische wir angeboten haben“, erzählt Klug. Mit rund 48 Jahren liegt das Durchschnittsalter der Vereinsmitglieder unter einer „kritischen Marke“. „Das liegt daran, dass wir viel für die Jugend tun“, so Klug. Mit 18 Jugendlichen ist der Verein gut besetzt. „Jetzt, nachdem das Vereinsheim weitgehend hergerichtet ist, können wir wieder an ein Zeltlager für die Jugendlichen denken“, erzählt der zweite Vorsitzende, Josef Baldy.

Schon früher sei das immer ein Erlebnis für die Jugendlichen gewesen, wenn sie abends noch mit der Taschenlampe „Elwetritsche“ gejagt hätten. Immer über Pfingsten seien irgendwo neckaraufwärts Zelte aufgeschlagen worden. „Das wollen wir wieder aufleben lassen“, so der Zweite Vorsitzende. Wichtig für die Jugendlichen sei es, dass vor allem die jungen Menschen erkennen, woher der Fisch stammt, den sie beim Supermarkt aus der Theke bereits verzehrfertig entnehmen. Dazu bietet der Verein jedes Jahr einen Kurs zur Vorbereitung auf die Fischerprüfung an. „Wir hatten hier schon bis zu 90 Prüflinge in der Vorbereitung“, meint Dietrich. In der Regel seien es aber 15 bis 20, die sich heute für die Prüfung interessieren.