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Handball Liga-Boss Frank Bohmann spricht über den vollen Spielplan und setzt auf eine bessere Planbarkeit mithilfe der EHF

"Wir wünschen uns feste Champions-League-Termine"

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Mannheim.Handball-Bundesliga (HBL) am Donnerstag, Champions League am Samstag: Dieses harte Los trifft die deutschen Königsklassen-Starter Rhein-Neckar Löwen, SG Flensburg-Handewitt und THW Kiel in dieser Saison gleich mehrfach. Der Europäische Verband EHF sieht sich nicht in der Pflicht, eine Änderung herbeizuführen. Schließlich habe sich die deutsche Liga mit dem Termin am Donnerstag selbst das Problem geschaffen. HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann bezieht im Interview Stellung.

Herr Bohmann, war mit dem neuen TV-Partner Sky nur der Donnerstag als Spieltag möglich oder wäre Sky auch für einen anderen Wochentag zu haben gewesen?

Frank Bohmann: Die Fußball-Champions-League wird ab der nächsten Saison ihre Gruppenspiele mittwochs um 19 Uhr und um 21 Uhr austragen. Insofern lag es auf der Hand, dass der Rechteinhaber Sky und wir eine Konkurrenzsituation von vornherein ausschließen wollten. Die Konstellation von Donnerstag-Samstag-Spieltagen wurde allen HBL-Clubs vor Vertragsabschluss mitgeteilt und die Entscheidung ausdrücklich mitgetragen.

Die EHF sieht in der Belastung der deutschen Champions-League-Starter mit Blick auf den Rhythmus Donnerstag-Samstag die HBL in der Pflicht, für eine Lösung zu sorgen. Schließlich würden seit Jahren alle anderen Nationen ihre Europacupspiele am Wochenende austragen. Wie sehen Sie das?

Bohmann: Der mediale und wirtschaftliche Erfolg einer Sportart hängt von einer verlässlichen Programmierung ab. Selbst eingefleischten Handballfans fällt es schwer, hier den Überblick zu bewahren. In der vergangenen Champions-League-Gruppenphase sind mehr als die Hälfte der Spiele am Mittwoch, Donnerstag oder Sonntag zu unterschiedlichen Anwurfzeiten ausgetragen worden. Vor diesem Hintergrund kann unser Anspruch nur sein, mittels einer klar strukturierten Spieltagsplanung hier für TV-Zuschauer, Hallenbesucher, Sponsoren und Medien eine Verlässlichkeit zu bieten. Auf lange Sicht wird dies auch für die Löwen und die SAP Arena besser zu planen sein.

Was würde die Terminierung einfacher machen?

Bohmann: Wünschenswert wäre es, dass auch die EHF zukünftig im Sinne einer besseren Planbarkeit und einer medialen und wirtschaftlichen Aufwertung der Champions League feste Spieltagstermine definiert.

Hat die HBL vor Abschluss des TV-Vertrags mit der EHF über den neuen Termin am Donnerstag gesprochen?

Bohmann: Wir sind im ständigen Dialog mit der EHF und haben auch über unser Vorgehen, feste Anwurfzeiten zu installieren, umfangreich informiert. Die Probleme der Kalenderabstimmung sind kein plötzlich auftretendes Phänomen und vor allem nicht singulär auf die Spieltagsansetzungen der HBL zurückzuführen. Die drastische Erhöhung der Anzahl der Champions-League-Spiele durch eine Modusänderung 2015 und mangelnde Verfügbarkeiten zum Beispiel der SAP Arena aufgrund kurzfristiger Anfragen sind doch wesentliche Teile des Problems. Auf lange Sicht sollte dies wie gesagt besser planbar sein.

Hat die HBL geglaubt, dass die EHF Rücksicht auf den neuen TV-Vertrag in Deutschland nimmt oder hat die HBL die fehlende Kompromissbereitschaft der EHF unterschätzt?

Bohmann: Es liegt nicht an fehlender Kompromissbereitschaft. Die Komplexität der Thematik ist sehr vielfältig, sie hängt unter anderem mit der Anzahl von Wettbewerben, Spielen, Hallenverfügbarkeiten und langfristiger Planbarkeit zusammen. Ergänzend muss die Sportart den Interessen der Zuschauer und Medien nachkommen.

Das ARD-Livespiel Kiel - Löwen liegt auf einem Samstag, an dem auch das Achtelfinale der Champions League ausgetragen wird, das beide Clubs wohl erreichen werden. Warum legt man das Spiel überhaupt auf dieses Wochenende und geht solch ein Risiko ein?

Bohmann: Von der Ansetzung des Spiels Kiel gegen die Löwen werden wir nicht abrücken. Ich gehe davon aus, dass wir hier durch einen Heim-Auswärts-Tausch in der Champions League zu einer Lösung kommen werden. Wir müssen in dieser Saison 19 Champions-League-Spieltage berücksichtigen. Hinzu kommen die Ansetzungswünsche unserer Medienpartner, die Termine der Nationalmannschaft und die Belegungspläne der Arenen.

Es könnte noch schwieriger werden, wenn die Königsklasse noch weiter ausgebaut wird.

Bohmann: Das stimmt. Bei Umsetzung einer aktuell geplanten Wettbewerbsreform der Champions League sollen zukünftig je nach Ausgestaltung zwischen 26 und 35 Champions-League-Spieltage ausgetragen werden. Das soll die HBL alles kurzfristig kurz vor oder gar nach Beginn der Saison berücksichtigen. Ich kann schon jetzt sagen, dass wir dann kein Donnerstag-Samstag, sondern mindestens ein Dienstag-Donnerstag-Samstag Problem haben werden. Dies wird kein singuläres HBL-Problem sein, sondern alle europäischen Ligen betreffen und könnte für viele Ligen existenzbedrohend sein.