Sport

Leichtathletik Nach der Wende kam der Klasse-Sprinter im Jahr 1990 zur MTG Mannheim und sammelte weiter zahlreiche Titel

Was macht … Steffen Bringmann?

Eisenberg.Steffen Bringmann war und ist mit Leib und Seele Leichtathlet. Auch wenn er sich einen Winter ohne Skifahren nicht vorstellen kann, kam eine andere Sportart, ja sogar eine andere Disziplin als der Sprint, nie ernsthaft in Frage. Auch nach seiner Karriere, die der gebürtige Leipziger nach vier deutschen Meistertiteln und sieben europäischen Silbermedaillen 1992 beendete, spielt die Leichtathletik noch immer eine große Rolle. „Ich stehe viermal pro Woche auf dem Platz der TSG Eisenberg, trainiere leistungswillige Jugendliche und halte mich dabei auch selbst fit“, sagt der inzwischen 55-jährige Naturliebhaber, der 2004 im pfälzischen Eisenberg eine Heimat fand und in dem kleinen Ort auch seinem zweiten Hobby nachgeht: „Ich bin mit meiner Lebensgefährtin gerade dabei, ein altes Haus zu sanieren.“

Seine Arbeit führt ihn aber weiterhin täglich nach Mannheim zur MVV Energie AG, bei der er seit Ende 1990 beschäftigt ist. Bringmann war einer der ersten Sportler, der von einer engen Kooperation zwischen der Firma und einem Sportverein profitierte. „Im Zuge der Wende hatte ich vom damals auch für die deutschen Sprintherren zuständigen Hürden-Bundestrainer Rüdiger Harksen ein Angebot, zur MTG zu wechseln und bei der MVV zu arbeiten. Ich kannte Rüdiger, Mannheim aber überhaupt nicht. Ich hätte auch nach Leverkusen oder Wattenscheid gehen können, aber das Gesamtpaket aus Mannheim stimmte“, war es Bringmann wichtig, Sport, Job und Familie unter einen Hut zu kriegen. Außerdem hatte Mannheim die richtige Größe. Ich war zuvor knapp zwei Jahre in Berlin, aber wohlgefühlt habe ich mich dort nie. Alles war zu riesig.“

Eigentlich wollte der gelernte Maschinenbauer 1988 nach Potsdam. „Ich hätte dort die Möglichkeit gehabt, im Winter als Anschieber in den Bobsport einzusteigen.“ Doch wegen eines Todesfalls zerschlugen sich die Pläne, also wurde er nach Berlin abgeordnet. „Man konnte in der DDR nicht einfach wechseln, wohin man wollte.“

Schöne Erinnerungen

Da kam Mannheim gerade recht, dort begann 1990 ein neues, dem Sport gewidmetes Lebenskapitel. „In der DDR wurde uns sehr vieles abgenommen, nun war ich für alles selbst verantwortlich“, wusste er aber die Freiheit zu schätzen und machte noch zwei Jahre Sport auf höchstem Niveau. „Mit meiner 60-Meter-Zeit von 6,54 Sekunden bin ich die Nummer Drei in der ewigen deutschen Bestenliste.“ Auch sein 100-Meter-Rekord von 10,13 kann sich noch immer sehen lassen. „Ich hatte eine sehr geradlinige Karriere, war nie ernsthaft verletzt, es gab auch sonst keine Stolpersteine. Ich wollte schon als Kind immer nur laufen, und das durfte ich auch.“

Als Bringmann als junger Erwachsener von der KJS auf das Leipziger Sportinternat kam und auch mit Kollegen aus anderen Disziplinen zusammenlebte, merkte er, wie gut es den Sprintern ging. „Wir waren im Vergleich zu den Radsportlern oder Ruderern eher Faulpelze, mussten nur zweimal pro Tag für höchstens zweieinhalb Stunden trainieren.“

Doch es gibt einen Stachel in seinem Leben, der noch immer pikst: Drei verpasste Olympische Spiele. 1984 machte der Boykott des Ostens den Start in Los Angeles zunichte und 1988 meldete die DDR einfach keine Staffel. „Weshalb, ist mir noch heute ein Rätsel. Das war eine politische Entscheidung“, ist sich Bringmann sicher. „In meinen Stasi-Unterlagen habe ich nichts entdeckt, alles war geschwärzt.“

1992 hatte das wiedervereinigte Deutschland dann nicht genügend Qualität für eine Staffel. Doch die schönen Erinnerungen überwiegen. „1990 gab es bei der EM in Split noch zwei deutsche Teams. Bei der Schlussfeier sind wir dann, ohne uns abzusprechen, gemeinsam eingelaufen. Das war eine spontane Entscheidung.“ Auch der Weltcup 1992 in Kuba zählt zu seinen schönsten Erlebnissen. „Ich wurde für die Europa-Auswahl nominiert, das war ein toller Abschluss meiner Karriere. Ich würde auch aus jetziger Sicht nichts anders machen. Sport bedeutete für mich immer eine Bereicherung, nie eine Entbehrung. Ich habe ihn immer nur genossen und keinerlei körperliche Schäden zurückbehalten.“

Zum Thema