Sport

Schlechte Verliererin

Archivartikel

Die ach so feinen Sitten des weißen Sports sind schon lange Geschichte und geben wir es ruhig zu: Ein paar Emotionen zum richtigen Zeitpunkt waren schon seit den Zeiten der legendären Duelle zwischen John McEnroe und Jimmy Connors das Salz in der Suppe. Auch Boris Becker sind die Sympathien vor allem deshalb zugeflogen, weil er abgesehen von seiner Klasse aus seinem Herzen nie eine Mördergrube gemacht hat.

Der Eklat, den Serena Williams nun in New York provoziert hat, spielt dagegen einfach nur in der Liga der schlechten Verlierer. Natürlich ist der Wunsch verständlich, mit dem 24. Grand-Slam-Erfolg endlich große Tennis-Geschichte schreiben zu wollen. Doch das entschuldigt in keinem Fall das Benehmen gegenüber dem Stuhlschiedsrichter, der angesichts des verbotenen Coachings völlig richtig gehandelt hatte.

Noch ärgerlicher sind dabei die weiteren Umstände der Schimpfkanonade. So stellte sich der US-Verband unreflektiert hinter seine Ikone, wünschte sich ohne Respekt gegenüber Siegerin Naomi Osaka „einen anderen Ausgang“ des Finales und zu guter Letzt durfte sich Williams, die sonst gerne von ihrer Vorbild-Funktion spricht, auch noch als Sexismus-Opfer und Vorkämpferin für Frauenrechte inszenieren.

Eine absurde Volte, denn wenn eine in dieser Situation das Recht gehabt hätte, dieses Thema anzuschneiden, wäre es Osaka gewesen: Schließlich werden vor allem in Japan Frauen wie in kaum einem anderen Industriestaat noch immer systematisch diskriminiert – und immer wieder sind es japanische Frauen, die auf der großen Bühne des Sports beispielsweise im Fußball, Volleyball, Golf und nun eben auch im Tennis für Erfolge sorgen. All das ging im Williams’schen Wutgewitter leider völlig unter.