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Fußball Das 0:0 in Liverpool ist „kein gefahrloses Ergebnis“ für die Bayern, öffnet in der Königsklasse aber die Tür zum Viertelfinale

Mit Disziplin und Defensive

Archivartikel

Liverpool.Beim Bankett im „Titanic“-Hotel kramte Karl-Heinz Rummenigge ein 38 Jahre zurückliegendes Europapokal-Desaster des FC Bayern hervor, um die Profis der Münchner Fußball-Neuzeit vor einem riskanten Irrglauben zu bewahren. Der Vorstandsboss weiß aus eigener leidvoller Erfahrung nur zu gut, welche Gefahren nach einem 0:0 in Anfield gegen den FC Liverpool für das Rückspiel lauern.

„Wir dürfen nicht den Fehler machen, den meine Mannschaft 1981 gemacht hat. Wir haben hier 0:0 gespielt und waren nach dem Spiel der Meinung, dass das Schlimmste hinter uns läge. Und dann haben wir in München 1:1 gespielt“, erzählte Rummenigge. Das zweite Remis bedeutete damals im Meistercup wegen der Auswärtstorregel den K.o. im Halbfinale – ein bis heute einmaliges Bayern-Missgeschick.

Stolz, aber nicht euphorisch

Die aktuelle Spielergeneration um Kapitän Manuel Neuer verfiel in der Nacht zum Mittwoch bei allem berechtigten Stolz auf das Ergebnis und eine endlich wehrhafte Defensive aber nicht in Euphorie. Auf „fifty, fifty“ taxierte der herausragend verteidigende Mats Hummels die Chancen auf das Viertelfinale. „Wir können nicht sagen, dass wir jetzt durch sind“, verkündete Torwart Neuer. Ein Remis mit einem Auswärtstor hätte die Ausgangsposition noch schöner gemacht.

Im gefühlten Vorteil sah Jürgen Klopp den deutschen Champion. „Ich bin sicher, dass Bayern sich besser fühlt als wir“, sagte der Liverpool-Coach: „Es ist nicht das Ergebnis, von dem wir geträumt haben.“ Die eigene Pressingmaschine kam nicht auf Touren, die wenigen Torchancen wurden vertan.

Kämpferisch blieb Klopp trotzdem: „Wir wollten ein Ergebnis, mit dem wir arbeiten können. Und mit dem 0:0 können wir natürlich arbeiten.“ Im Rückspiel ist Anführer und Abwehrturm Virgil van Dijk nach Gelb-Sperre wieder dabei. Bayern wird am 13. März dagegen Joshua Kimmich, der die dritte Gelbe Karte im Wettbewerb sah, ersetzen müssen – mutmaßlich durch Rafinha.

„Wir haben uns vielleicht eine ein klein bisschen bessere Ausgangsposition erspielt, als die meisten es von uns erwarten. Aber wir sind mitnichten mit einem Bein weiter“, erklärte Hummels. „In München sind wir stark“, hob Neuer hervor. Die Basis ist gelegt, auch wenn Klopps Offensiv-Ensemble für seine Konterstärke berühmt ist. Auswärts verlor Liverpool in der Gruppenphase aber die drei Spiele gegen Paris Saint-Germain, Neapel und Belgrad.

Unterdrückter Offensivdrang

„Es ist kein Ergebnis, bei dem man ganz gefahrlos auf das Rückspiel schauen sollte“, sagte Rummenigge. Aber das Team und der Boss flogen zufrieden zurück nach München. Bayern-Präsident Uli Hoeneß sagte: „Ich bin sehr zufrieden. Die Art und Weise, wie die Mannschaft gespielt hat, hat mir gefallen.“ Gemeint ist vor allem der intensiv geführte Kampf, in dem die Kontrolle die Risikobereitschaft überwog. Die Bayern rückten in den deutsch-englischen Champions-League-Wochen auch das Bild des 0:3 vonDortmund bei Tottenham Hotspur zurecht.

„Die Bundesliga muss sich nicht verstecken hinter der Premier League“, sagte Trainer Niko Kovac: „Vor allem nicht der FC Bayern. Wir haben Qualität!“ Der Königsklassen-Novize Kovac agierte im ersten Vergleich mit dem final-erprobten Klopp taktisch auf Augenhöhe. „Erstklassig eingestellt“ habe der Kroate das Team, lobte Rummenigge. „Wir haben es uns selber bewiesen, dass wir es defensiv können“, betonte Neuer. Die Null hinten diktierte das Handeln. „Jeder hat für jeden gearbeitet“, lobte Kovac. „Wichtig war, dass wir als Verbund gut agiert haben, dass wir auf vielen Positionen defensiv gedacht haben“, sagte Hummels. Das Paradebeispiel waren die Außenverteidiger Kimmich und David Alaba, die ihren gewohnten Offensivdrang weitgehend unterdrückten.

Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/fussball

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