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Pro und Kontra Die TSG 1899 geht voller Vorfreude in das Königsklassen-Abenteuer / Über die Konkurrenzfähigkeit auf höchstem Niveau gehen die Meinungen auseinander

Besteht Hoffenheim in der Champions League?

Archivartikel

Am Donnerstag wird im Fürstentum Monaco die Gruppenphase der Fußball-Champions-League ausgelost. Erstmals dabei ist die TSG 1899 Hoffenheim, die in Lostopf vier gesetzt ist. Möglich ist für die Kraichgauer eine schwere Gruppe mit Real Madrid, Manchester United und dem AS Monaco. Ist der Hoffenheimer Kader stark genug, um in der europäischen Königsklasse zu bestehen? Ein Pro und Kontra.

PRO:

Von unserem Redaktionsmitglied Jürgen Berger

Morgen wird im Fürstentum Monaco die Gruppenphase der Fußball-Champions-League ausgelost. Erstmals dabei ist die TSG 1899 Hoffenheim, die in Lostopf vier gesetzt ist. Möglich ist für die Kraichgauer eine schwere Gruppe mit Real Madrid, Manchester United und dem AS Monaco. Ist der Hoffenheimer Kader stark genug, um in der europäischen Königsklasse zu bestehen?

Die TSG Hoffenheim ist bei den Planungen für die erste Champions-League-Saison ihrer Philosophie treu geblieben. Mit Leonardo Bittencourt, Ishak Belfodil, Vincenzo Grifo, Joshu Brenet und Kasim Adams verpflichteten die Kraichgauer allesamt Profis, die noch viel Entwicklungspotenzial haben und unter Trainer Julian Nagelsmann den nächsten Karriereschritt machen wollen. Mit acht Millionen Euro Ablöse war der ghanaische Nationalspieler Adams der teuerste Transfer – und laut Manager Alexander Rosen auch nur durch die Premiere in der Königsklasse machbar.

Die Schwergewichte der Branche wie Real Madrid, Paris oder Manchester United bewegen sich in diesem Punkt in ganz anderen Sphären – haben aber auch eine ganz andere Erwartungshaltung. Hoffenheim hat sich das Überstehen der Gruppenphase als Ziel gesetzt – also mindestens Platz drei, der die Europa-League-Teilnahme nach der Winterpause beinhalten würde.

Diese Vorgabe ist für die Nagelsmänner vor der Auslosung realistisch – und dafür hat sich der Bundesliga-Dritte der Vorsaison auch einen geeigneten Kader zusammengestellt. Die noch verletzten Mittelfeld-Asse Kerem Demirbay, Dennis Geiger und Nadiem Amiri werden nach ihrer Genesung besonders motiviert zurückkommen. Bis dahin wird Nagelsmann wieder kreative Lösungen finden.

Der ehrgeizige Trainer wird in seinem letzten Jahr bei der TSG alles daran setzen, um auch auf der größten internationalen Bühne Akzente zu setzen. Dabei kann der 31-Jährige neben den fünf namhaften Neuen einem eingespielten Kollektiv vertrauen, das nach den enttäuschenden Europa-League-Auftritten auf Wiedergutmachung brennt. Diese Gier kann in den Champions-League-Duellen ein entscheidender Faktor sein.

Dass die Kraichgauer in der Lage sind, mitzuhalten, hat das Hinspiel der letztjährigen Play-offs gegen den FC Liverpool gezeigt. Die Elf von Trainer Jürgen Klopp erreichte später das Finale.

KONTRA:

Von unserem Redaktionsmitglied Alexander Müller

Sie hießen Basaksehir, Rasgrad und Braga. Gegen diese internationale Durchschnittsware brachte die TSG 1899 Hoffenheim in der vergangenen Saison das peinliche Kunststück fertig, in der Gruppenphase der Europa League zu scheitern. Als abgeschlagener Tabellenletzter. In den Play-offs zur Champions League hatte der FC Liverpool die Elf von Julian Nagelsmann zuvor mal kurz auseinander genommen: Nach gut 20 Minuten stand es im Rückspiel an der Anfield Road 3:0,danach verwaltete sich das Team von Jürgen Klopp mit einem 4:2-Sieg locker-flockig in die Gruppenphase. Die Hoffenheimer wurden in Europa gewogen und für zu leicht befunden.

Wenn man es gut mit der TSG meint, kann man die schwachen ersten Auftritte auf der internationalen Bühne als Lehrjahr verbuchen. Wenn man objektiv herangeht, muss man konstatieren, dass wenig bis nichts dafür spricht, dass die Hoffenheimer in dieser Saison gegen den europäischen Fußballadel irgendwelche Bäume ausreißen werden.

Nagelsmann ist sicher ein außergewöhnlicher Trainer, der eine Mannschaft auf ein höheres Niveau heben kann, als es die Summe der einzelnen Teile eigentlich hergibt. Aber dieses Prinzip, das in der qualitativ mittelmäßigen Bundesliga vorzüglich funktioniert, stößt in der Champions League an seine Grenzen. Gegen Clubs vom Schlage Barcelona, Real Madrid oder Manchester City hilft auch der ausgeklügeltste Matchplan nicht mehr, wenn die meisten Gegner auf jeder Position individuell klar besser besetzt sind.

Hinzu kommt, dass Hoffenheim den Weggang der beiden Topscorer Mark Uth (14 Tore/8 Vorlagen) und Serbe Gnabry (10/7) nicht adäquat kompensieren konnte – zumindest für das höchste internationale Niveau wird ein Andrej Kramaric alleine und die Hoffnung auf Joelinton oder Leo Bittencourt nicht genügen. Es wäre deshalb schon ein Erfolg für die TSG, wenn sie sich im Konzert der ganz Großen zumindest ein bisschen würdiger schlagen würde als in der blamablen ersten Europa-League-Saison.

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